Auf Allier und Loire mit Sack und Pack

Vor elf Jahren war ich mich beiden Kindern über Pfingsten auf dem Allier gewesen. Die beiden waren damals fünf und sieben Jahre alt. Dieses Jahr waren sie also sechzehn und achtzehn wie der kühne Rechner merkt. Was soll ich sagen, so schlimm konnte es in ihrer Kindheit nicht gewesen sein, denn sie wollten beide wieder mit, als ich mit Sabine und Charly die Idee entwickelte mal wieder eine richtige Gepäcktour zu unternehmen. Zu einer richtigen Gepäcktour gehört natürlich ordentlich Gepäck und so entschlossen wir uns mit dem Tipi zu reisen und auch den Ofen mitzunehmen. Da wir zu dritt selbst im großen Boot nicht mehr genug Platz hatten, gab es eine Premiere. Ich war zum ersten mal mit beiden Holzbooten gleichzeitig unterwegs. Sabine und Charly hatten ihren Prospector dabei und reisten mit dem Tarp. Sie hatten sich bereiterklärt die Kinder in Tübingen abzuholen und da es über Konstanz ein Umweg gewesen wäre, trafen wir uns auf eine Autobahnraststätte in der Schweiz und fuhren in die Nacht. Irgendwo ca. 2 Stunden vor Vichy schliefen wir dann noch etwas und waren am Samstagmorgen dann an unserem Startort. Der Plan sah vor, die Autos dort zu lassen und dann am Ende der Fahrt mit dem Zug zurück zu fahren und die Autos nachzuholen. Der obligatorische Besuch eines französischen Supermarktes und das Wiederbetanken der Fahrzeuge war schnell erledigt und gegen Mittag waren wir auf dem Bach.

Für den ersten Abschnitt paddelten wir in folgender Besetzung: Jolanda und Charly im Prospector, Sabine im Gerrish und Lorenz und ich im Guide. Unter den ersten beiden Brücken gab es jeweils einen spritzigen Schwall, was aber nur beim Prospector für Feuchtigkeit im Boot führte. Der Gerrish ist eh etwas undicht (wieder mal), nahm aber kein Wasser über und der Guide läuft sowieso extrem trocken. In der Nähe des ehemaligen Zementwerks bei Billy machten wir für die ersten Nacht Schluss. Das ausgiebige Beschreiben des Lagerlebens erspare ich mir und der Leserschaft. Wir verbrachten vier Tage auf dem Allier und drei Tage auf der Loire, den zweiten Tag auf der Loire verbrachten wir auf unserer Sandbank. Dort hatten wir morgens kurz Besuch von einer französischen Kanuten, die in einem Solokanadier unterwegs war. Nach gegenseitigem Bewundern unserer Holzboote machte sie sich wieder auf den Weg, Richtung Nantes, beneidenswert!
Auf unserem Weg von Vichy nach La Charité hatten das Wehr in Moulins, das nach Apremont und das an der Kanalbrücke kurz vor der Mündung in die Loire zu überwinden. Sowohl in Moulins, als auch bei der Kanalbrücke begutachteten wir die Fischtreppen, ob womöglich eine Befahrung oder Trendeln möglich wäre, wurden aber enttäuscht. Wir kämpften mit Gegenwind und Baumleichen, versteckten und vor Gewitterstürmen unterm Tarp beobachteten Störche, Schwarzmilane, Nutrias, Iltis, lauschten mehr unfreiwillig den Fröschen und ließen uns von der Sonne braten. Die Bootsbesetzung variierten wir von Tag zu Tag etwas, meist fuhren Sabine oder ich solo, Jolanda etablierte sich als Charlys Bugpiratentochter und Lorenz gab den Bugpaddler im Guide. Nach insgesamt sechs Paddeltagen kamen wir nach reichlich Abenteuer und ca. 150 Flusskilometer in La Charité an.
Sabine und ich machten uns auf den Weg zum Bahnhof um nach ca. 1,5 Zugstunden einem Aufenthalt gleicher Länge in Nevers einem vierzig minütigen Fussmarsch und dann noch zwei Stunden Autofahrt wieder zurück zu kommen. Lorenz, Jolanda und Charly hatten die Zeit natürlich für alles mögliche genutzt, das Beste war sie hatten all unser Gepäck und die Boote bereits an der Straße zum Verladen aufgereiht. So ging das ganz fix und wir waren auf dem Rückweg.

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