Potsdam

Havel

Wir haben André und Micha von HolzStoff in Potsdam besucht.
Zum einen wollte Leonhard einen Prospector probefahren, zum anderen wollten wir das neue Boot, den Havel anschauen und natürlich auch probepaddeln. Das Wetter, nicht gerade ideal, aber wir lassen uns nicht abhalten.

 

Neues Boot

Fünf Tage im August 2005

Ich machte mich auf den Weg, quer durch die Republik, um mir in Potsdam ein Kanu zu bauen.
Wieso das?
Ein Kanu kann man doch überall bauen? Stimmt. Aber in Potsdam gibt es eine kleine Holz-Canvas-Kanu Manufaktur.
Ich habe schon seit ein paar Jahren ein solches Kanu für die ganze Familie, aber jetzt wollte ich noch ein kleines handliches Boot für mich alleine. Und noch dazu wollte ich es selbst bauen.
André, einer der beiden Bootbauer, sagte das bekommt ihr nie hin, in fünf Tagen.
Sein Bruder Micha hielt dagegen.

Micha hatte aber auch wirklich schon viel vorbereitet, als ich ankam.
Die Spanten und Planken waren schon gesägt und auch einer der Steven war schon gebogen. Das deswegen, weil am Tag zuvor ein lokaler Fernsehsender einen kleinen Bericht über HolzStoff gemacht hatte. Ein Teil meines neuen Bootes war also schon im Fernsehen.

Aber dann ging es los. Ich hatte ja schon einige Boote gebaut, aber das übertraf alles.
Wir arbeiteten zu zweit von morgens neun bis abends um sechs und machten auch eine ordentliche Pause am Mittag. Es kam zu keiner Zeit Hektik oder Stress auf, ja es war fast schon meditativ wie wir arbeiteten. …

Am ersten Tag galt es die Spanten über die Form zu biegen. Dazu muss erklärt werden, das Boot wird über eine Positivform gebaut. Das Holz wird in eine Kiste, unter der ein Topf mit köchelndem Wasser steht, der so genannte Dämpfkasten, gelegt. Nach kurzer Zeit werden die Spanten heraus genommen und über die Form gebogen und am inneren Süllrandholz, das schon an der Form fixiert ist befestigt. Man arbeitet von der Mitte aus, erst bis zum einen Ende, dann zum anderen.

Am späten Nachmittag waren alle Spanten gebogen und wir kamen sogar noch dazu die ersten beiden Planken auf zunageln. Die Planken sind ca. 10 cm breit und ca. 6mm stark. Sie werden mittels den so genannten Canoetacks, kleinen geschnittenen Nägeln, die man nur in USA und Kanada bekommt durch die Spanten fest genagelt. Ein wichtiges Detail, unter jedem Spant sitzt ein Stahlband auf der Form, auf dem die Tacks umgeknickt werden.

Das Beplanken dauerte den ganzen nächsten Tag an. Gegen Abend konnten wir das Boot bereits von der Form nehmen.

Am dritten Tag wurde es laut.
Die umgeknickten Tacks im Bootsinneren wurden vernietet. Dazu benutzten wir das so genannte Clinshingiron, ein schweres Gusseisenstück das in vielen unterschiedlichen Radien geformt ist, um jede Stelle des Bootskörpers gut zu erreichen und einen Niethammer. Das rohe Boot wurde dann geschliffen und war dann bereit bespannt zu werden.
Die Bespannung besteht aus einem schweren Canvasstoff. Dieser wird doppelt gelegt und mit der offenen Seite nach oben aufgespannt, so dass das Boot wie in eine Hängematte hineingelegt werden kann. Dann wird der Stoff am oberen Rand der Beplankung angenagelt.
Das Vernieten und Bespannen nahm den dritten Tag in Anspruch.

Der vierte Tag begann mit Rühren.

Das Canvastuch muss ja irgend wie dicht werden. Das geschieht durch die Imprägnierung mit einem „Füller“, einem Gemisch aus Leinöl, Quarzsand und sonst noch ein paar Zutaten die die Kanubauer gerne für sich behalten. Jeder Kanubauer hat das ein eigenes Rezept um ein möglichst stabiles, abriebfestes und haltbares Produkt zu erzielen. Dieser Füller wurde dann von uns in das Canvasgewebe eingerieben. Der Rest des Tages blieb dann noch Zeit für das Zusägen und Montieren des äußeren Süllrandes. Eigentlich war das Boot jetzt fertig.

Den fünften Tag verbrachte ich mit dem Anfertigen der Quer und Sitzhölzer.

Da der Füller noch ziemlich feucht war und ich das Boot noch nicht verpacken konnte, lieh ich mir für den sechsten Tag von André ein Boot und machte mich auf den Weg, auf dem Griebnitzsee, der Havel, vor bei an der Pfaueninsel, durch den Großen und den Kleinen Wannsee, rund um den Berliner Forst zu paddeln.

Tags darauf war das Boot verpackt, aufs Auto geladen und ich wieder unterwegs Richtung Bodensee.

Fünf Wochen später hatte ich das Boot noch mal geschliffen, mit Ölfarbe gestrichen und als Unterwasserschutz einen Schellackanstrich angebracht.
Das neue Boot hat den Namen Juni bekommen.

Ein neues Boot soll her

Nach vielen Kanutouren, erst alleine im Kajak, dann zu zweit im Kanadier und mittlerweile zu viert, wurde es in unserem kleinen Faltkanadier langsam eng. Ich machte mich also auf die Suche nach einem familientauglichen Boot.
Zuerst ging die Überlegung Richtung größerem Faltboot, dann rückte eher ein Festboot in den Mittelpunkt des Interesses.
Ende der Achtziger hatte ich im Kanusport, der Verbandszeitschrift des DKV oft die Anzeige von Oldtown, die damals auch in Deutschland einen Holz und Canvas Kanadier im Vertrieb hatten, gesehen.

Diese kam mir wieder in den Sinn. Über die Suche im WWW kam ich über verschiedene amerikanische und Kanadische

Seiten zu den Seiten von deutschen Importeuren doch tatsächlich auf eine Seite einer kleinen Manufaktur in Potsdam. Diese hatte den Prospector, das legendäre Boot von Chestnut Canoe und ein Guide Kanu mit stattlichen 18 Fuss im Programm.
Das Guide Kanu hatte es mir gleich angetan und ich nahm Kontakt auf.
Micha von Holzstoff sagte mir eine voraussichtliche Bauzeit von drei Monaten voraus.
Um mir die Zeit zu verkürzen bekam ich dann irgendwann ein Bild vom halben Boot.

Im Dezember machte ich mich dann mit meinem Freund Andreas auf den Weg nach Potsdam und wir holten den ersten Wood-and-Canvas Kanadier nach Konstanz an den Kanu-Club.

Das Boot musste noch etwas warten bis es aufs Wasser durfte, denn der Filler und die Farbe mussten erst noch richtig trocken werden.
Aber einen Namen haben wir im gegeben. September.
Wie es dazu kam? Ursprünglich wollen wir Ihn Indian Summer nennen. Unsere Tochter Jolanda, damals vier, fragte was heisst denn das? Wir erklärten ihr, dass man die Zeit im September, wenn sich das Laub so schön verfärbt so genannt wird. Sie sagte: „Toll, im September habe ich Geburtstag!“ Somit stand der Name fest.