Entzugserscheinungen

Als es heute Nachmittag nach Regen aussah und der Wind etwas auffrischte, machte ich mich auf den Weg zum Bootshaus. Ich war schon seit Mittwoch nicht mehr auf dem Wasser und wurde langsam kribbelig. Ausserdem dachte ich, ich hätte bei dieser Witterung den Neckar für mich alleine. Dachte ich, – Pustekuchen. Horden von Stocherkähnen waren unterwegs. Es waren bestimmt mehr Kähne auf dem Wasser, als uns die letzten zwei Wochen auf der Elbe begegnet waren. OK, das ist leicht übertrieben. Aber das Schlimmste war, dass die Kähne von singenden Touristen besetzt waren, die sich allem Anschein nach das Wetter schön getrunken hatten. Ich mogelte mich durch so gut es ging, ignorierte dümmliche Kommentare und schaute, dass ich auf die offene Wasserfläche vor dem Stadtwehr kam.

Dort tauschte ich meinen Flies gegen die Regenjacke und begab mich auf den Rückweg. Zuerst wollte ich noch ein Stück in die Steinlach hinein, da dort aber einige Schwäne Schutz gesucht hatten, drehte ich nach den herunterhängenden Ästen der großen Platane wieder um. Hätte ich die Schwäne gestört oder verscheucht, hätte es sicher noch mehr blödsinnige Äusserungen gegeben. So blieb ich tapfer und kämpfte mich zwischen den Kähnen durch. Im tieferen der beiden Neckararme wurde es dann ruhiger, einige hatten doch den Regen gescheut. Andere hingen unter den Brücken rum und sangen dort. Vielleicht war ich nur zu lange weg, aber es ging mir erheblich auf den Wecker. Oberhalb der großen Straßenbrücke hatte ich den Neckar dann wirklich für mich alleine, ich hätte gleich nach oben fahren sollen.

Share on Google+Share on FacebookTweet about this on TwitterEmail this to someone