GOC-Treffen

Über die Osterfeiertage bin ich zusammen mit Axel zum GOC-Treffen nach Bad Kreuznach gereist. Ich bin kein Mitglied des GOC (German Open Canoe), wurde aber als Gast sehr freundlich aufgenommen. Das Programm dort sah neben Touren auf den Gewässern vor Ort, verschiedene Workshops, einen Tag der Krämer und Händler und einen Kanu-Slalom-Wettbewerb vor. Am Donnerstag Nachmittag holte ich Axel in Stuttgart von der Arbeit ab. Seinen Anhänger hatte er am Vorabend bei mir deponiert. So zuckelten wir die rund 250 km in die Pfalz. In Bad Kreuznach lagerten wir am Rand des Kurparks beim Bootshaus der Kanuabteilung des VFl. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, standesgemäß jeder in seinem Tipi, paddelten wir die Nahe erst ein Stück flussauf und dann hinunter zum Schrägwehr, um mögliche Poling-Spots zu erkunden. Axel hatte im Programm einen Poling-Workshop angeboten, an dem ich natürlich teilnehmen wollte. Im Unterwasser des Schrägwehrs liegt eine kleine aber feine Slalomstrecke für Kanuten. Über eine Eingangsstufe neben der Fischtreppe erreicht man sie.

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Darüber aber später mehr. Jetzt muss ich erst ein mal das ganze Gerödel auspacken, sortieren und wieder einpacken, da es nächste Woche für ein paar Tage an die Thur geht.

Axel hat den heutigen Tag genutzt, das vergangene lange Wochenende aufzubereiten und schon die über die ersten Tage in seinem Paddelblog berichtet.

Ich werde versuchen meinen Bericht nicht chronologisch aufzubauen, sondern eher thematisch, sonst wird es vielleicht langweilig.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAAnfangen möchte ich mal mit Booten. Zuerst natürlich die Boote die ich immer gerne mit dabei habe, meine beiden Holzboote, Juni und September. Axel hatte seinen Courier und sein kleines gelbes Wildwasserboot dabei. Aber es gab noch sehr viele andere Boote. Eines war zwar nicht dabei, aber Marianne und Peter haben öfter von ihrem Roten Oktober erzählt, mit denen zusammen hätten wir bereits ein Vierteljahr beieinander. 🙂
Ein Boot hat mich besonders beeindruckt, ein 20 Fuss Holz-Canvas Kanu von Island-Falls Canoe. Ich habe mich nicht getraut zu fragen ob ich es mal paddeln darf, es sah im Gegensatz zu meinen Booten aus, wie aus dem Ei gepellt. Vermutlich hätte es unter meiner Benutzung gelitten. Leicht fühlte es sich an, eben ein Amerikaner aus leichtem Ceder. Was mir nicht so gut gefiel, war die Lackierung, ich bevorzuge geöltes Holz.

Feuer – Neben den Booten war Feuer ein Thema, das sich an diesem Wochenende auf viele Arten und Weisen darstellte. Wir machten gleich am ersten Abend ein Grillfeuer, und da es recht kalt war machte Axel bald danach noch ein Ofenfeuer. Ich machte Feuer in meinem kleinen Bio-Lite-Brenner, mit dem ich zum einen auch meinen Telefonakku auflud und zum anderen, sehr zur Belustigung der Anwesenden, bei einem Brennversuch mit Pellets, den gesamten Zeltplatz vernebelte. Es gab Feuer in Feuerschalen, in Holzvergasern, in allen möglichen Varianten von Zeltöfen und auch ein ganz normales Lagerfeuer. Über all wurde etwas gebrutzelt oder gekocht und über dem Kurpark lag ein Duft von Abenteuer.

Lange Stangen – Wir hatten neben unseren Booten und Paddeln ein ganzes Bündel Polingstangen in unserem Gepäck. Es waren Stangen aus Holz, Alu oder Karbon dabei. Axels Poling-Workshop war für Samstag 11.00 Uhr anberaumt. Wir waren wie immer überpünktlich und nach und nach tröpfelten die Interessenten ein. Mit den Basics hatte ich mich ja in den letzten Wochen und Monaten immer wieder beschäftigt, weshalb ich mich etwas am Rande aufhielt und versuchte möglichst eindrucksvolle Fotos zu machen.

Als wir dann hinauf zu der am nächsten gelegenen Polingstelle stocherten versuchte ich natürlich hinauf zu kommen. Beim ersten Mal scheiterte ich und wurde im oberen Drittel von der Strömung gedreht, als ich versuchte das letzte Stück aus einem Kehrwasser hinter einem, mitten im Stromzug liegenden Stein aus, zu überwinden. Beim zweiten Mal klappte es. Ich versuchte mich auch im Snubbing, dem Abwärts-Poling. Dabei gilt es eigentlich das Boot in der Stromschnelle mit der Stange abzubremsen. Man steht dabei anders wir beim Poling eher vor der Mitte des Bootes, damit das Heck entlastet wird. So richtig wollte mir das aber nicht gelingen, ich wurde immer zu schnell und beschränkte mich aufs seitliche Versetzten des Bootes um nicht all zu sehr über die Steine zu rumpeln.k-P1030939

Schnelles Wasser – Wie oben schon beschrieben, gibt es in Bad Kreuznach einen Slalomkanal. Auf diesem sollte am Sonntag Nachmittag ein Wettkampf stattfinden. Für diesen Wettkampf wurde festgelegt, dass immer Tandem-Teams in Schlauchkanadiern starten sollen. Mich reizte es aber sehr mit dem Gerrish diesen Kanal zu befahren. So fuhr ich schon vor dem Start dieser Wettfahrt zusammen mit Axel hinunter zum Wehr, hinter dem sich die Slalomstrecke befand. Ich hatte mir das Ganze schon am Tag zuvor vom Land aus angesehen und keine unüberwindlichen Hindernisse festgestellt. Axel hatte am Samstag bereits auf dem Stück an einem Slalom Workshop teilgenommen und berichtet, dass es auch keine fiesen Ecken gäbe.
Eigentlich könnte man den Kanal einfach gerade aus durchfahren ohne ein Kehrwasser zu nutzen, aber das ist ja nicht der Sinn der Übung. Die ersten beiden Male fuhr ich nicht, wie beim ausgelobten Schlauchbootwettkampf gefordert jedes Kehrwasser an, fühlte mich aber gleich wohl.

Nach der zweiten Fahrt und der damit verbundenen Schlepperei wieder hinauf, kamen auch die anderen Teilnehmer des Slalomwettkampfes an. Axel und ich starteten als viertes Team. Ich überließ Axel den Bugplatz und quetschte mich mit dem Bootswagen, der mitgeführt werden musste hinten rein. Zur Steigerung der Schwierigkeit wechselte ich die Paddelseite auf rechts. Axel und ich sind beide Linkstunker. Wir schlugen uns ganz wacker und belegten den dritten Platz. Als wir die Schlauchgurke wieder abgegeben hatten fuhren wir die Strecke als Pausenclowns noch mal, wieder in unseren gewohnten Booten. Das gefiel mir dann schon wieder besser, auch wenn ich nicht wie im Rennen 14 Kehrwasser ansteuerte. Ich genoss die Fahrt und die aufmunternden Zurufe vom Publikum.

Breites Wasser – Am Ostermontag ging es auf den Rhein. Obwohl er momentan Niedrigwasser führt ist der Mittelrhein natürlich sehr viel breiter, als der Hochrhein, den wir vor acht Tagen befahren hatten. Immer wenn ich auf dem Rhein unterwegs bin sehe ich nach den Kilometertafeln, so weiß ich wie weit ich von meiner Heimatstadt Konstanz entfernt bin. Mal sehen ob ich das in ein paar Jahren auch vom Neckar erzähle. 🙂 Wir starteten bei Kilometer 450, das ist etwas unterhalb von Worms. Begleitet wurden wir von unseren Guides vom Vfl Bad Kreuznach, die aber in ihren Kajaks unterwegs waren. Sie hatten diesen Abschnitt gewählt, weil sie wohl Bedenken hatten, dass uns die, meiner Meinung nach attraktivere, Strecke von Bingen bis z.B. St. Goar oder so, überfordert hätte. Ich verstehe das, der Rhein ist ein Großgewässer mit viel Schifffahrt und sie kannten uns vorher nicht. Jetzt kennen sie uns, mal sehen was sie uns in Zukunft zutrauen. Zu Beginn säumten schöne Sandstrände den Rhein, die Strömung war mässig, bracht uns aber trotzdem flott voran. Wir begegneten einem einzelnen Kajakfahrer, der sich mit mir interessiert über das Kanadierpaddeln unterhielt. Er erschien mir verwundert, dass wir überhaupt vorwärts kamen. Selbst die die nicht zu zweit in einem Boot saßen und nur auf einer Seite paddelten. Und dass wir noch nicht abgesoffen waren ohne Spritzdecke, bei den hohen Wellen. Witzbold! Na ja, vielleicht konnte ich wieder etwas Aufklärungsarbeit leisten. 🙂

Bergab – Bereits am Karfreitag hatten wir eine Tour die Nahe hinunter unternommen. Startpunkt war das Wehr unterhalb Nierderhausen, welchen wir in unterschiedlich schnellen Gruppen auf den unterschiedlichsten Wegen durch das Nahetal erreichten. Ich war überrascht ob der Landschaft. Ich hatte keine Ahnung gehabt, auf was ich mich eingelassen hatte, aber was ich zu Gesicht bekam gefiel mir ausserordentlich. Der Fluss hatte zwar einen sehr niedrigen Pegel, so wie alle zur Zeit, floss aber ganz munter dahin. Insgesamt musste ich drei Mal das Boot verlassen um verfallene Wehr zu überwinden. Viele der Royalex oder Pe- Fahrer sparten sich das, ließen dann aber Material zurück oder blieben stecken und mussten dann doch aussteigen. Besonders beeindruckend waren die Felsen rechts und links der Nahe, das Grün der Wälder und die Vogelvielfalt. Nur Biberspuren gab es keine, vielleicht kommt das noch. Ich versuchte mich streckenweise mit Poling, musste mir aber eingestehen, das der Gerrish nicht das beste Fahrzeug für diese Variante des Kanufahren ist. Ich stehe zwar inzwischen ganz sicher in ihm, er lässt sich aber nicht so gut kontrollieren wie der Guide, oder der Prospector.

Bergauf – Für den letzten Tag hatten wir zu erst eine Tour auf dem Glan ins Auge gefasst, dann die Wiederholung der Fahrt auf der Nahe vom Karfreitag. Schliesslich entschieden wir uns aber spontan dazu, die Nahe flussauf zu befahren. Das hatte erstens den Vorteil, dass wir das Auto nicht bewegen mussten, zweiten wenn wir keine Lust mehr hätten einfach umdrehen und zurück paddeln könnten und zum dritten, dass wir noch einmal ausgiebig polen konnten. Zunächst packten wir aber unseren ganzen Krempel zusammen und beluden Axels Anhänger und mein Auto mit unseren jeweils kleineren Booten. Ich hatte mich entschlossen nicht den Gerrish zu nehmen. Den Schwall gleich oberhalb des Bootshaus hatte ich ja schon mehrmals überwunden, aber an diesem Morgen fiel es mir besonders schwer, ich hatte Mühe den Bug unter Kontrolle zu bekommen und wurde einmal sogar ein ordentliches zurück getrieben. Ich hatte mir für dieses Teilstück meine Kamera am Heck des Bootes montiert und filmte meine Bemühungen.

Beim nächsten Schwall ging es mir ähnlich. Nach einer Weile aber wurde es besser und wir kamen gut voran. Wir rechneten eigentlich hinter jeder Kurve den anderen, die sich für die erneute Befahrung von Niederhausen aus entschieden hatten, zu treffen, wurden aber enttäuscht. Als wir am dritten Wehr, etwa einen Kilometer von ihrer Einstiegstelle entfernt  ankamen gaben wir die Hoffnung auf sie zu treffen, pausierten und machten uns dann auf den Rückweg. Immerhin sechs Kilometer hatten wir gegen den Strom zurück gelegt. Auf dem Rückweg begegneten wir erst einem Kiesbagger im Fluss und dann einer Schildkröte. Beide gehören eigentlich nicht in die Nahe. Wir sahen´s gelassen und fotografierten.

Gegen Halbdrei waren wir zurück an unserer Einsatzstelle. Wir zogen uns um und luden die beiden Boote auf. Wir drehten noch eine Runde über die Zeltwiese, aber ausser zurückgelassenen Jugendlichen, die offensichtlich keine Lust auf Paddeln gehabt hatten und jetzt etwas gelangweilt im Bootshaus abhingen und ein paar Schnarchern in den Zelten, die wir natürlich in Ruhe ihr verdientes Mittagsschläfchen machen liessen, trafen wir niemanden mehr. So bestiegen wir unser Gespann und zuckelten staufrei zurück nach Hause.k-P1040177

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