Grein – Emmersdorf

Am Tag darauf waren wir wieder sehr früh auf den Beinen. Das Boot lag schon im Wasser und ich war gerade dabei den Bootswagen darunter weg zu ziehen, als Lorenz testete ob die Rampe nicht zu glitschig sei um gut ins Boot zukommen. Das Experiment endete damit, dass er sich umziehen musste.
Unser Zeitvorsprung war dahin, aber unsere heutige Strecke sollte auch nicht zu lange sein.
Ein genaues Ziel hatten wir noch nicht festgelegt, irgendwo in der Gegend um Melk wollten wir uns einen Zeltplatz suchen. Aber zuerst stand wieder ein mal Staupaddeln auf dem Programm. Am Ufer der Donau gab es alle 1000 Meter ein Kilometerschild, dazwischen alle 100 Meter einen Stein mit den Zahlen von 9 bis 1. An diesem Morgen sahen wir eine Frau auf einem Quard, bewaffnet mit einem Eimer roter und weißer Farbe, die die Beschriftung auf diesen Steinen ausbesserte. Ein paar hundert Meter weiter war ein Mann, ebenfalls auf einem Quard mit einer Motorsense unterwegs, der dafür sorgte, dass die eingewachsenen Steine wieder zum Vorschein kamen. Eigentlich ein cooler Job, könnte man ja auch vom Kanu aus machen.
Für die Umsetzanlage Ybbs kündigte unser Kanuführer nichts guten an. Die Ausstiegstelle lag im Bereich des Einlaufkanals des Kraftwerks und es wurde davor gewarnt in dessen Sog zu gelangen. Das machte mir wenig Sorgen, denn bei unserem Wasserstand konnte der Stromzug nicht allzu stark sein. Dem war auch so. Der Ausstieg war aber trotzdem nicht so komfortabel wie die Tage zuvor. Ein Schwimmsteg belegt mit Gitterrosten, der uns zum kompletten Ausladen des Bootes zwang. Bei der Einstiegstelle hatte der Kanuführer nicht zu viel versprochen. Eine lange steile Treppe. Das bedeutete, das Boot und das Gepäck tragen. Mittlerweile war es wieder recht heiß geworden und das gesamte Unterfangen war recht schweißtreibend. Nach dem Kraftwerk wurden wir dafür mit leichter Strömung belohnt. Wir passierten die Stadt Ybbs und bald danach die Mündung des gleichnamigen Flusses. Diese beiden zu kennen ist sehr wichtig, vor allem wenn man gerne Stadt, Land, Fluss spielt.
Die Hitze machte uns sehr zu schaffen, noch dazu hatte der Gegenwind, der uns oft ein wenig Kühlung verschaffte aufgehört zu wehen. Am Nachmittag vor der zweiten Staustufe des Tages kam sogar Rückenwind auf. Der Wind glich die fehlende Strömung aus und als er auffrischte packten wir unseren kleinen Lenkdrachen aus und nutzten ihn als Treibsegel.
Die Staustufe vor Melk wurde wieder über ein Altwasser überwunden. Diesmal musste allerdings zwei mal übergesetzt werden, einmal von der Donau ins Altwasser und dann vom Altwasser zurück in die Donau. Die Ein und Ausstiege waren aber so beschaffen, dass wir das beladene Boot mit dem Bootswagen transportieren konnten. Gegenüber von Melk fanden wir dann in Emmersdorf einen kleinen Zeltplatz für die nächste Nacht.
Die Ausstiegstelle hatte wieder ihre Tücken. Zuerst ein paar Meter Kiesstrand, gespickt mit diversen Hindernissen, und dann eine steile Rampe. Die Rampe war wie so oft aus groben Steinbrocken zusammengesetzt, mit großen Fugen in denen die Räder unseres Bootswagen gerne stecken blieben. Nach den ersten beiden gescheiterten Versuchen den Zeltplatz mit beladenem Boot zu erreichen, luden wir dann doch wieder mal das Gepäck aus und schleppten es bis auf den Hochwasserdamm. Mit dem leeren Boot war die Rampe dann leicht zu überwinden. Vom Damm aus ging es dann mit dem vollen Boot wieder spielend bis zu unserer Zeltwiese. Von dort aus hatten wir einen herrlichen Blick auf das Kloster Melk, auf der gegenüberliegenden Seite der Donau. Die Stimmung war gewittrig, jedoch wollte es noch nicht richtig loslegen. Nach dem Abendessen machten wir uns noch mal auf den Weg und ließen den Abend in einer nahegelegenen Gartenwirtschaft, Lorenz bei Apfelschorle und ich bei einem Schoppen Wachauwein, ausklingen. Lorenz ergatterte wieder einmal eine Ladung Bierdeckel, seine Sammlung hatte mittlerweile eine stattliche Anzahl, angenommen. In der Nacht zogen einige heftige Gewitter über uns weg.

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