Allerheiligen auf dem Hochrhein

Die Nacht war nicht so kalt wie die letzte, dafür ist es etwas feucht am Morgen. Der Nebel hängt noch über dem Rhein als wir aufs Wasser kommen. Wir haben den Fluss ganz für uns alleine und lassen uns treiben. Moment, ganz alleine sind wir nicht. Zwei Eisvögel am Ufer. Wir lassen uns weiter treiben, sie nehmen kaum Notiz von uns und lassen sich fotografieren.
Das Wehr in Reckingen ist bald überwunden, diesmal mit dem eigenen Bootswagen.

Nach Kaddelburg erreichen wir den Koblenzer Laufen, eine Schwallstrecke über den ganzen Fluss, ca 500 m lang. Wir fahren ganz rechts an den Felsen entlang. Bei diesem Wasserstand müssen wir fast laufen. Viel zu schnell erreichen wir danach Waldshut unser Ziel für diese Indian Summer Tour.

Der nächste Morgen war kalt, das Laub auf der Wiese war gefroren.
Langsam kam die Sonne durch den Nebel, schnell ein paar Fotos und dann nichts wie los. Der Tag würde lang werden. Eine Stunde bis Schaffhausen paddeln, dann raus aus dem Wasser und Boot samt Gepäck auf den Bootswagen. Dann eine Stunde laufen. Vorbei am immer stärker strömenden Rhein immer in Richtung Reinfall.

Hier dürfen wir nicht paddeln. Unterhalb des Rheinfalls die Einsatzstelle der Personenschiffahrt ist auch uns ganz nützlich. Wieder ca. nach einer Stunde ist das Stauwehr von Rheinau erreicht, wir haben Glück und werden gleich mit dem großen Bootswagen umgesetzt. Jedoch müssen wir uns sputen, denn um 13. Uhr ist Mittag und bis zum 1. Hilfswehr sind es noch knapp 15 Minuten. Zuspät, entweder Umtragen oder auch Mittagspause. Um 14.00 Uhr geht es dann weiter und auch beim 2. Hilfswehr geht es ganz flott. Vorbei an der Mündung der Thur und schon lässt die Strömung merklich nach. Das Kraftwerk von Eglisau macht sich bereits bemerkbar. Heute kommen wir vermutlich im Dunkeln in Hohentengen auf dem Campingplatz an. Ganz dunkel ist es noch nicht, aber es dämmert schon kräftig, als wir nach 46 km zu Boot und Fuss auf unserer Zeltwiese ankommen.

Hochrhein Indian Summer Tour

Im Spätherbst auf den Hochrhein, das hatte ich schon lange auf dem Plan. Über Allerheiligen sollte das Wetter schön werden. So machten Leonhard und ich uns auf, vom Bootshaus am Kanu-Club Konstanz in Richtung Schaffhausen.Der Wetterbericht hatte nicht zu viel versprochen.

Herrliches Spätsommerwetter, leichter Rückenwind. Die Färbung des Laubes war atemberaubend. Da der Campingplatz in Schaffhausen schon Ende August dicht macht, mussten wir wohl oder übel biwakieren.

Allier

An Pfingsten bot sich die Gelegenheit eine Fahrt auf dem Allier in Frankreich zu unternehmen.
So eine richtige Gepäckfahrt, Zelt, Schlafsäcke etc. und natürlich Verpflegung für eine Woche. Denn die Einkaufsmöglichkeiten auf der Strecke von Moulins nach La Charité an der Loire sind nicht gerade üppig. Ins gesamt waren wir zu siebt, Bärbel und Martin, Peter und Katja sowie Jolanda, Lorenz und ich in unserem September. In das Boot geht ja ordentlich was rein, und wenn man das auch ordentlich einpackt, dann sieht das auch ordentlich aus…IMG_0295Na, ja, so ganz ordentlich sieht das jetzt nicht aus, kreatives Chaos eben. Wir hatten das meiste Gepäck vor die mittlere Ducht geladen, auf dem vorderen Sitz nahm Jolanda Platz, auf dem IMG_0285hinteren Lorenz, ich saß auf einem selbst gebastelten Einhänge-Sitz kurz hinter der Mitte. Das Boot war so ganz gut getrimmt, ich konnte das Boot gut kontrollieren und die Kinder nicht streiten. Manchmal saßen sie auch zu zweit vorne, aber eher selten. Unsere Tagesetappen waren nie besonders lang, es wurde mehr auf ein ausgedehntes Lagerleben, auf den einsamen Sandbänken und Inseln Wert gelegt. Die Strecke von rund 90 Kilometern legten wir in fünf Tagen zurück. Das Wetter war eher durchwachsen, teilweise sogar empfindlich kalt. Über Europa drehte ein Tiefdruckkreisel, der zu Hause sogar noch einmal Schnee lieferte. Das blieb uns erspart. Aber an Baden war nicht zu denken. Es wurde am Lagerfeuer im Dutchoven gekocht, Skat gespielt und alberne Lieder und Gedichte retiziert. Mit einem sieben und einem fünfjährigen Kind unterwegs zusein ist auf der einen Seite ganz lustig, auf der anderen Seite aber auch anstrengend, wobei IMG_0301ich die beiden wirklich loben muss sie haben wirklich viel geholfen, nicht nur beim Paddeln gegen den Wind, sondern auch beim Aufbau des Lagers und beim Feuer machen. Das Lagerfeuer war fest im Aufgaben Bereich der Kinder, Peter, Katja und meine zwei besorgten das jeden Abend vorbildlich.

 

Thurbummel

Immer am ersten Sonntag im Mai findet der legendäre Thurbummel der Thurgauer Wilwasserfahrer statt. Die Strecke von Uesslingen bis Alten ist abwechslungsreich und spritzig, gerade recht für Leonhards neuen Wood-Canvas Prospector (Big Bend)

Prospector

Leonhard hat seinen im letzten Dezember bestellten Prospector bekommen.
Micha hat in aus Potsdam mitgebracht. Ursprünglich wurde er in Schweden bei Magnus gebaut, Micha hat in mit nach Potsdam gebracht und dort fertig gestellt.

Begleitet haben wir ihn im Gerrish

Potsdam

Havel

Wir haben André und Micha von HolzStoff in Potsdam besucht.
Zum einen wollte Leonhard einen Prospector probefahren, zum anderen wollten wir das neue Boot, den Havel anschauen und natürlich auch probepaddeln. Das Wetter, nicht gerade ideal, aber wir lassen uns nicht abhalten.

 

Neues Boot

Fünf Tage im August 2005

Ich machte mich auf den Weg, quer durch die Republik, um mir in Potsdam ein Kanu zu bauen.
Wieso das?
Ein Kanu kann man doch überall bauen? Stimmt. Aber in Potsdam gibt es eine kleine Holz-Canvas-Kanu Manufaktur.
Ich habe schon seit ein paar Jahren ein solches Kanu für die ganze Familie, aber jetzt wollte ich noch ein kleines handliches Boot für mich alleine. Und noch dazu wollte ich es selbst bauen.
André, einer der beiden Bootbauer, sagte das bekommt ihr nie hin, in fünf Tagen.
Sein Bruder Micha hielt dagegen.

Micha hatte aber auch wirklich schon viel vorbereitet, als ich ankam.
Die Spanten und Planken waren schon gesägt und auch einer der Steven war schon gebogen. Das deswegen, weil am Tag zuvor ein lokaler Fernsehsender einen kleinen Bericht über HolzStoff gemacht hatte. Ein Teil meines neuen Bootes war also schon im Fernsehen.

Aber dann ging es los. Ich hatte ja schon einige Boote gebaut, aber das übertraf alles.
Wir arbeiteten zu zweit von morgens neun bis abends um sechs und machten auch eine ordentliche Pause am Mittag. Es kam zu keiner Zeit Hektik oder Stress auf, ja es war fast schon meditativ wie wir arbeiteten. …

Am ersten Tag galt es die Spanten über die Form zu biegen. Dazu muss erklärt werden, das Boot wird über eine Positivform gebaut. Das Holz wird in eine Kiste, unter der ein Topf mit köchelndem Wasser steht, der so genannte Dämpfkasten, gelegt. Nach kurzer Zeit werden die Spanten heraus genommen und über die Form gebogen und am inneren Süllrandholz, das schon an der Form fixiert ist befestigt. Man arbeitet von der Mitte aus, erst bis zum einen Ende, dann zum anderen.

Am späten Nachmittag waren alle Spanten gebogen und wir kamen sogar noch dazu die ersten beiden Planken auf zunageln. Die Planken sind ca. 10 cm breit und ca. 6mm stark. Sie werden mittels den so genannten Canoetacks, kleinen geschnittenen Nägeln, die man nur in USA und Kanada bekommt durch die Spanten fest genagelt. Ein wichtiges Detail, unter jedem Spant sitzt ein Stahlband auf der Form, auf dem die Tacks umgeknickt werden.

Das Beplanken dauerte den ganzen nächsten Tag an. Gegen Abend konnten wir das Boot bereits von der Form nehmen.

Am dritten Tag wurde es laut.
Die umgeknickten Tacks im Bootsinneren wurden vernietet. Dazu benutzten wir das so genannte Clinshingiron, ein schweres Gusseisenstück das in vielen unterschiedlichen Radien geformt ist, um jede Stelle des Bootskörpers gut zu erreichen und einen Niethammer. Das rohe Boot wurde dann geschliffen und war dann bereit bespannt zu werden.
Die Bespannung besteht aus einem schweren Canvasstoff. Dieser wird doppelt gelegt und mit der offenen Seite nach oben aufgespannt, so dass das Boot wie in eine Hängematte hineingelegt werden kann. Dann wird der Stoff am oberen Rand der Beplankung angenagelt.
Das Vernieten und Bespannen nahm den dritten Tag in Anspruch.

Der vierte Tag begann mit Rühren.

Das Canvastuch muss ja irgend wie dicht werden. Das geschieht durch die Imprägnierung mit einem „Füller“, einem Gemisch aus Leinöl, Quarzsand und sonst noch ein paar Zutaten die die Kanubauer gerne für sich behalten. Jeder Kanubauer hat das ein eigenes Rezept um ein möglichst stabiles, abriebfestes und haltbares Produkt zu erzielen. Dieser Füller wurde dann von uns in das Canvasgewebe eingerieben. Der Rest des Tages blieb dann noch Zeit für das Zusägen und Montieren des äußeren Süllrandes. Eigentlich war das Boot jetzt fertig.

Den fünften Tag verbrachte ich mit dem Anfertigen der Quer und Sitzhölzer.

Da der Füller noch ziemlich feucht war und ich das Boot noch nicht verpacken konnte, lieh ich mir für den sechsten Tag von André ein Boot und machte mich auf den Weg, auf dem Griebnitzsee, der Havel, vor bei an der Pfaueninsel, durch den Großen und den Kleinen Wannsee, rund um den Berliner Forst zu paddeln.

Tags darauf war das Boot verpackt, aufs Auto geladen und ich wieder unterwegs Richtung Bodensee.

Fünf Wochen später hatte ich das Boot noch mal geschliffen, mit Ölfarbe gestrichen und als Unterwasserschutz einen Schellackanstrich angebracht.
Das neue Boot hat den Namen Juni bekommen.

Ein neues Boot soll her

Nach vielen Kanutouren, erst alleine im Kajak, dann zu zweit im Kanadier und mittlerweile zu viert, wurde es in unserem kleinen Faltkanadier langsam eng. Ich machte mich also auf die Suche nach einem familientauglichen Boot.
Zuerst ging die Überlegung Richtung größerem Faltboot, dann rückte eher ein Festboot in den Mittelpunkt des Interesses.
Ende der Achtziger hatte ich im Kanusport, der Verbandszeitschrift des DKV oft die Anzeige von Oldtown, die damals auch in Deutschland einen Holz und Canvas Kanadier im Vertrieb hatten, gesehen.

Diese kam mir wieder in den Sinn. Über die Suche im WWW kam ich über verschiedene amerikanische und Kanadische

Seiten zu den Seiten von deutschen Importeuren doch tatsächlich auf eine Seite einer kleinen Manufaktur in Potsdam. Diese hatte den Prospector, das legendäre Boot von Chestnut Canoe und ein Guide Kanu mit stattlichen 18 Fuss im Programm.
Das Guide Kanu hatte es mir gleich angetan und ich nahm Kontakt auf.
Micha von Holzstoff sagte mir eine voraussichtliche Bauzeit von drei Monaten voraus.
Um mir die Zeit zu verkürzen bekam ich dann irgendwann ein Bild vom halben Boot.

Im Dezember machte ich mich dann mit meinem Freund Andreas auf den Weg nach Potsdam und wir holten den ersten Wood-and-Canvas Kanadier nach Konstanz an den Kanu-Club.

Das Boot musste noch etwas warten bis es aufs Wasser durfte, denn der Filler und die Farbe mussten erst noch richtig trocken werden.
Aber einen Namen haben wir im gegeben. September.
Wie es dazu kam? Ursprünglich wollen wir Ihn Indian Summer nennen. Unsere Tochter Jolanda, damals vier, fragte was heisst denn das? Wir erklärten ihr, dass man die Zeit im September, wenn sich das Laub so schön verfärbt so genannt wird. Sie sagte: „Toll, im September habe ich Geburtstag!“ Somit stand der Name fest.

 

Angesichts der heutigen Materialvielfalt bei Kanus, lässt sich das Benutzen von traditionellen Materialien natürlich hinterfragen. Klar ist es praktisch ultraleichte Boote aus einem nahezu unzerstörbaren Material zu fahren, aber mich fasziniert die natürliche Ästhetik die traditionelle Boote haben. Klar muss man in manchen Fällen Kompromisse eingehen. Zum Beispiel seine Fahrweise etwas dem Material anpassen, das müssen aber Faltbootfahrer auch. Da ich früher viel Faltboot gefahren bin, fällt mir das nicht schwer. Und dann sind Wood-Canvas Kanus robuster, als auf den Blick zu erwarten ist.