Ruhetag in Grein

Diesmal weckte uns nicht die Sonne. Dunkle Regenwolken waren nachts heraufgezogen.
Schon seit Tagen waren Gewitter angekündigt, es wurde allerdings bislang nichts daraus.
Unsere direkten Zeltnachbarn waren diesmal keine Kanuten, sondern Motorradfahrer, die auf dem Rückweg von der Krim waren. Sie erzählten dass der Wassermangel in Rumänien und Bulgarien noch schlimmer sei als hier, das einzige was noch etwas grün gewesen seien die Karpaten gewesen. Alles andere, vor allem die Ernten seine verdorrt.
Im Laufe des Morgens fing es dann auch prompt an zu regnen und wir verzogen uns erst mal wieder ins Zelt. Der Regen war aber nur von kurzer Dauer und als wir uns auf den Weg in die Stadt machten schien bereits wieder die Sonne. Wir besuchten zuerst das Schifffahrtsmuseum, das im Schloss Grein untergebracht ist. Neben verschiedenen Modellen von Donauschiffen und Flößen waren auch Darstellungen von alten Wehranlagen, Kanälen und Mühlen zusehen. Ein besonderes Gewicht hatten Darstellungen zum so genannten Greiner Strudel und der Insel Wörth kurz hinter Grein.
Diese waren in der Vergangenheit ernsthafte Hindernisse für die Schifffahrt auf der Donau gewesen. Diese Zeiten sind längst vorbei, den auch hier ist die Donau mittlerweile nur ein leicht strömender Stausee. Allerdings ist im Bereich der Insel Wörth Einbahnverkehr auf der Donau angesagt. Die bergfahrenden Schiffe fahren links der Insel, die talfahrenden Schiffe, also auch wir rechts.
Aber noch war es nicht soweit, wir hatten noch einige Besorgungen zu machen und vor allem wollten wir um 17.00 Uhr das kleinste und älteste Theater im deutschsprachigen Raum besichtigen.

Grein Das Theater hatte ausser seiner Größe noch ein paar andere Sehenswürdigkeiten zu bieten. So gab es zum Beispiel im Zuschauerraum ein Plumsklo, dass nur durch einen Vorhang abgetrennt war. So war es möglich, sein Geschäft zu verrichten während man weiter der Vorstellung folgte. Also eigentlich konnte man das noch immer, ob es allerdings noch praktiziert wurde habe ich vergessen zu fragen.
Die zweite Kuriosität war die Tatsache, dass im Theater früher auch das Stadtgefängnis untergebracht war und dass die Insassen durch ein Loch in der Wand ebenfalls den Vorstellungen folgen konnten.
Die Bevölkerung brachte damals den Häftlingen etwas zu Essen, zu Trinken oder zu Rauchen mit, so dass sie während der Vorstellungen Ruhe gaben. Das Theater ist immer noch in Betrieb und hat ca. 120 Sitzplätze. Die vordersten drei Reihen haben nach oben klappbare Sitze, die mit einem Schloss abgesperrt werden können. Die Sperrsitze. Der Schlüssel zu so einem Sperrsitz konnte für ein Jahr gemietet werden, der Vorläufer des Theaterabos.
Nach dem Theaterbesuch gingen wir zurück zum Zelt und verhalfen dem Ruhetag zu seinem verdienten Namen, in dem wir ein bisschen rumgammelten.

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