Soča

Nach gut achtstündiger Fahrt kamen wir zusammen mit Ruth und Axel auf unserem Campingplatz in Bovec an. Wir waren nicht zusammen gefahren, hatten uns aber unterwegs drei mal zu kurzen Pausen getroffen und waren die letzten 20 Kilometer dann doch im Konvoi gefahren. Den Rest des Nachmittages verbrachten wir mit Zeltaufbauten und Lager einrichten, dem sich eine gemütliche kleine Wanderung, über mehrere Hängebrücken, über die Koritnica und die Soča anschloss. Als dann die früher Angereisten von ihrer Tagestour zurück kamen, gab es natürlich ein großes Hallo. Lange hielt ich es diesen Abend nicht aus, immerhin waren wir gegen vier Uhr früh gestartet.

Freitag, 21.08.

Für den ersten Paddeltag stand die Hausstrecke auf dem Programm. Sie beginnt  ca. 1,8 Kilometer oberhalb der Mündung der Koritnica und endet bei dieser, quasi direkt vor der Zelttüre. Als Abfahrtzeit auf dem Zeltplatz wurde 10.00 Uhr verabredet. Das machen vermutlich viele so, denn als wir nach dem Abstieg vom Parkplatz den Einstieg erreicht hatten, waren dort bereits zwei Gruppen dabei ihre Boote zu besteigen und es kamen auch ständig weitere Kanuten den Weg herunter. Kurzfristig sank meine Stimmung auf den Nullpunkt, ich hatte zwar schon damit gerechnet nicht alleine unterwegs zusein, aber so einem Auflauf hatte ich nicht erwartet. Wir querten den Fluss zu Fuss und besichtigten die dritte Klamm von oben. Wir hofften, wenn wir zurück kämen hätten sich schon einige auf den Weg gemacht. Dem war aber nicht so und so machten wir uns auf den Weg, viele andere auch. Auch wir waren eine relativ große Gruppe, drei Kajakfahrer, bzw. Kajakfahrerinnen, Ruth, Anita und Jan, sieben KanadierfahrerInnen, Sabine, Rolf, René, Axel, Klemens, Lorenz, der sich wieder ein Mal Axels Skeeter ausgeliehen hatte und ich. Beim sogenannten Frauenschlucker, der ersten etwas spannenderen Stelle herrschte ebenfalls Gedränge. Die Gefahr, die von dem großen Felsbrocken, der hier den Fluss nach links abdrängt und in seinem vorderen Bereich leicht unterspült ist, hielt sich in Grenzen. Die Gefahr einen Kajakfahrer im Gedränge über den Haufen zu fahren war weit aus größer. Nach und nach verteilten sich die vielen Paddler auf dem Fluss. Wir fuhren in loser Reihenfolge, an den verschiedenen Schwällen und Wellen sammelten wir uns, um zu üben, zu spielen oder zu pausieren. An der Mündung der Koritnica angekommen beschlossen Ruth, Axel und Lorenz die Fahrt hier zu beenden. Wir anderen befuhren noch den zweiten Teil der Hausstrecke bis zur Brücke nach Česoča, insgesamt kam mir dieser Abschnitt etwas leichter und offener vor. Gleich beim Campingplatz gibt es zwar zwei etwas angespülte Wände und zum Ende wartet dieses Teilstück mit einem recht steinigen langgezogenen Schwall auf. Lorenz hätte dieses Stück sicher auch gefallen, er hatte sich auf dem oberen Stück nicht besonders wohl gefühlt. Wahrscheinlich ging es ihm ähnlich wie mir, es war ihm zu voll. Am Späten Nachmittag waren wir noch im Ort zu Kaffee und Kuchen eingeladen, Rolf feierte seinen Geburtstag.

Samstag, 22.08.

Tags darauf konnte er es selbst feststellen wie ihm das Stück, das er gestern ausgelassen hatte gefiel. Wir starteten direkt vom unteren Campingplatz aus. Befuhren erst die untere „Hausstrecke“ und hängten dann noch die sogenannte „Hausfrauenstrecke“ dran. Ein ziemlich blöder Name, wie ich finde. Die Einheimischen nennen das Teilstück von Česoča bis Srpenica I Panoramastrecke, was mir besser gefällt. Dieses Stück wartet mit relativ wenig schwierigen Stellen auf und ist geprägt von Kiesbankschwällen und herrlichen Ausblicken auf die umliegenden Berge. Aufpassen musste man dennoch, da der geringe Pegel die Fahrrinne recht einengte und man in den Aussenkurven oft auf Gebüsche und niedrige Äste von Bäumen zu achten hatte.

Sonntag, 23.08.

Lorenz hatte gleich bei unserer Ankunft kund getan, dass er auf jeden Fall einen Berg besteigen wolle. Das wollten wir heute in die Tat umsetzten. Unsere Idee fand bei Sabine, Klemens und Anita so viel Anklang, dass sie sich uns anschlossen. Wir hatten uns den Svinjak, mit seinen 1653 Metern Höhe vorgenommen. Rund 1200 Höhenmeter hatten wir zu überwinden, erst rauf und dann wieder runter. In der Wanderkarte ist der Weg mit einfach bezeichnet, wobei im letzten Anstieg durchaus auch Passagen zu klettern sind. Und der Weg ist steil, meine Herren! Und das ohne Training. Beim Hinweg unterboten wir die angegebene Wanderzeit von 3,5 Stunden zwar um eine halbe Stunde, brauchten jedoch beim Rückweg sehr viel länger, als die angegeben 1,5 Stunden. Allerdings machten wir auch ausgiebig Pause und besichtigten noch eine Festungsanlage aus dem 1. Weltkrieg, von der aus die Stadt Bovec vor 100 Jahren belagert worden war. Überall stolpert man hier über Mahnmahle die an diese blutige Zeit erinnern und kann froh darüber sein, dass man heute nicht ein mal mehr Zollkontrollen beim Grenzübertritt über sich ergehen lassen muss oder gar Geld umtauschen muss.

Montag, 24.08.

Regentag, Lagerleben, Einkaufen, Kaffeetrinken, Schnitzen, Lesen, Karten schreiben, Kaffeetrinken, Tarp aufbauen, Kochen, Kaffee trinken ….

Dienstag, 25.08.

Heute ging es noch mal auf die obere und untere Hausstrecke. Bevor wir starteten fuhren Lorenz und ich ein Stück von unten in die dritte Klamm hinein und machten Fotos. Wir waren heute erst spät gestartet und so entgingen wir dem großen Ansturm. So hatten wir auch mehr die Möglichkeit in den diversen Wellen zu surfen, zu traversieren. Der Regen hatte den Pegel leicht ansteigen lassen, der Wasserdruck war etwas kräftiger als die Tage zuvor. Unsere Gruppe war ziemlich ausgewogen gemischt mit Kajak und Kanadierfahrern. Heute war auch Charly mit von der Partie, der zwei Tage ausgesetzt hatte weil ihn heftige Ohrenschmerzen plagten. Er hatte den Regentag genutzt sich mit passenden Ohrstöpseln und einem neuen Helm auszustatten. Lorenz schien mehr und mehr Spass an der Sache zu bekommen und fuhr bei „Frauenschlucker“ mutig in die Welle und turnte darin herum. Seine Tollkühnheit bezahlte er mit einem Bad, kurz nach dem er ich seiner Jacke entledigt hatte. Ihm schien aber das kalte Wasser aber eh nichts auszumachen, er nahm morgens und abends jeweils ein Bad am Campingplatz. Das Wasser war nicht ganz so klar wir sonst und der Nebenbach, der beim letzten großen Schwall vor dem Ausstieg mündet verwandelte die sonst so glasklare Soča in eine braune Brühe.

Mittwoch, 26.08.

Lorenz und ich hatten diskutiert auch mal ein etwas schwierigeres Teilstück zu befahren, wir hatten auch diverse Angebote bekommen uns andern Gruppen anzuschliessen. Wir hatten auch überlegt wieder einmal im Tandem zu starten, beschlossen aber nach einigem hin und her, ein weiteres mal die Hausstrecke zu fahren. Lorenz war sich nicht sicher, ob er die Strecke vor dem „Friedhof“ bzw. den Friedhof bewältigen würde. Wir hätten vermutlich auch wie die Andern früher anreisen sollen, dann hätten wir länger Zeit gehabt uns heran zu tasten. So machten wir uns abermals auf den Weg von der dritten Klamm bis zur Brück nach Česoča. Diesmal aber nur zu viert. Charly, Sabine Lorenz und ich. Dieser vierte Paddeltag war der schönste in diesem Urlaub. Der Pegel war gut, das Wasser wieder klar, die Sonne schien. Und wir waren wohl zur richtigen Zeit unterwegs, denn wir waren fast allein.

Donnerstag, 27.08.

Nach dem Frühstück fingen wir an unser Zeugs zusammen zu packen. Als das Tarp und das Zelt trocken waren wurden sie abgebaut und verladen. Für unsere Rückfahrt hatten wir eine Mitfahrerin, Rebecca musste auch zurück nach Tübingen. Gegen halb zwölf verabschiedeten wir uns und nach etwas mehr als 8,5 Stunden waren wir zu Hause.

Hier noch der Link zu Axels Bericht, der sich diesmal etwas von meinem unterscheidet, da wir zum Teil auf anderen Strecken unterwegs waren.

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