Vorderrhein

thumb_P1120891_1024nein nein, ich bin nicht mit einem meiner Holzboote zum Vorderrhein gefahren. Es wären auch genug andere Paddler dabei gewesen, die mich von einer Befahrung damit abgehalten hätten. 🙂

Aber ich hatte ja schon geschrieben, dass ich über das neueste Boot in meiner Flotte, dem kleinen verratzten Wildwasserkanadier berichten würde. Nachdem ich ja mit diesem Boot schon die eine oder andere kleine Ausfahrt unternommen hatte, stand nun am vergangenen Wochenende der Vorderrhein auf dem Programm.

Insgesamt hatten sich 22 Paddelfreunde zusammengefunden, die zu unterschiedlichen Zeiten, in unterschiedlichen Fahrzeugen, mit unterschiedlichen Booten, zu unterschiedlichen Fahrgemeinschaften zusammen gewürfelten Gruppen, am gemeinsamen Ziel, dem Campingplatz Carrera im Vorderrheintal eintrafen. Ich hatte mich mit Lutz und Axel zusammen getan, wir fuhren Freitag Nachmittag gegen 15.00 Uhr in Tübingen los und kamen irgendwann zwischen 19.00 und 20.00 Uhr in Carrera an. So genau weiß ich das jetzt nicht mehr, ist ja auch egal. Klemens und Anita waren schon da und auch andere Mitstreiter kamen nach und nach an. Nach dem alle soweit eingerichtet waren, wurden Pläne für den kommenden Tag geschmiedet, Strecken festgelegt und Gruppen eingeteilt. Der Pegel des Rhein war eher im mittleren bis niedrigen Bereich und daher war es ratsam, die Gruppengrößen nicht zu groß zu wählen, da man sich sonst auf den einzelnen Abschnitten, unter Umständen ständig ins Gehege kommen würde. Auf der einen Seite fand ich es schade, nicht mit allen zusammen paddeln zu können, aber man würde sich ja hin und wieder begegnen, entweder beim Pausieren, oder an irgendwelchen Spielstellen, an denen man sich länger aufhielte.

P7110003Der Start für den Samstagmorgen war auf 10.00 Uhr festgelegt worden. Axel, Lutz und ich waren natürlich schon viel zu früh startklar und scharrten mit den Hufen. Wir fuhren dann auch schon etwas eher ab, was der ganzen Aufbruchsaktion etwas Dynamik verlieh. Wir fuhren zunächst zur Ausstiegsstelle, dem Kraftwerk oberhalb von Brigels. Dort sollte ein Auto ohne Boote auf dem Dach abgestellt werden. Gleichzeitig konnte dort der abschließende Katarakt vor dem Stausee besichtigt werden. Ich deponierte meine trockene Kleidung in Markuss Auto und legte mich somit darauf fest bis zu dieser Stelle zu paddeln. Alternativ hätte ich auch nur bis zum oberhalb gelegenen Campingplatz fahren können, bei dem auf der Weiterfahrt zur Einstiegstelle ein weiteres Fahrzeug deponiert wurde. Dann ging es hinauf nach Cumpadials, unserer Einstiegsstelle. Dort wurde dann alles abgeladen, Boote geschleppt, Autos abgestellt. Wir bildeten mit René, Axel, Klemens und Roland, einen Freund von René aus Innsbruck und mir die Kanadiergruppe und wir machten die Vorhut. Das Wasser des Rheins war kalt und klar, der P7110119Flusslauf, durch den niedrigen Pegel steindurchsetzt. Die ersten paar hundert Meter gingen ganz gemächlich dahin, aber dann nahm das Gefälle mehr und mehr zu und die ersten Schwallpassagen, mit hohen Wellen, Löchern und Walzen waren zu bewältigen. Die ersten Kilometer passte das alles ganz prima, ich hielt mich in der Gruppe eher am hinteren Ende, um bei den anderen abspicken zu können, wo wohl die beste Route zu finden sei. Ab und zu traute ich mich auch mal vor und fuhr einen Abschnitt voraus. Der Rhein meinte es gut mit mir, und schenkte meinem Boot ordentlich ein, so dass ich hin und wieder ans Ufer musste um das Boot zu leeren. Axel ging es ebenso, wir waren die einzigen ohne Lenzpumpen. Vielleicht lag es daran, dass alles so gut lief und ich übermütig wurde, oder vielleicht auch daran, dass ich nicht genug konzentriert war, aber in einer ziemlich schwalligen Passage kippte ich um. Woran es lag, weiß ich nicht jedenfalls funktionierte mein Reflex noch und ich versuchte zu Rollen, aber leider, reflexartig wie im Kajak. Diese Technik ist jedoch für den Kanadier nicht sonderlich geeignet, zumal wenn man überhaupt keine Routine hat.  Ich kam natürlich nicht hoch, musste aussteigen und schwimmen. Praktischer Weise spielte sich das ganze in der Nähe eines Kehrwassers ab und so thumb_P1120845_1024saß ich schnell wieder im Boot. Das ganze hatte mir so viel Freude bereitet, dass ich diese Aktion, ein paar Kilometer weiter, bei einer ähnlichen Stelle wiederholte. Ich habe daher beschlossen das Rollen zu üben. Gegen Nachmittag erreichten wir die Stelle, an denen die jenigen, die den Katarakt vor dem Stauwehr nicht befahren wollten, ausstiegen. Die anschliessende Strecke bis zum Katerakt befand ich als die schönste des Tages. Die Schwierigkeiten, das Gefälle und die Steine nahmen zu. Man musste sich konzentrieren, aber es machte unheimlich Spass. Am Eingang zum Katerakt galt es links ein Kehrwasser anzufahren, hinter dem sich die Schlüsselstelle befand. Oberhalb davon gab es auch schon ein paar kleinere Stufen. Ich fuhr etwas zu weit rechts, musste dann nach einer kleineren Stufe queren um das Kehrwasser zu erreichen und wurde aber im Anfahren zu weit nach unten gespült und parkte quer vor einem Stein, der direkt oberhalb der Eingangsstufe zum Katerakt lag. Natürlich lehnte ich mich gleich zum Stein hin, hatte aber davor natürlich schon anders herum gekantet gehabt, da ich ja das nur ca. 3 Meter entfernte Kehrwasser anfahren wollte. Mein Boot war relativ schnell gefüllt und lag einigermaßen stabil vor dem Stein. Axel kam mir ein Stück entgegen gewatet, er konnte mit seinem Paddelgriff gerade so meinen Bug und die dort unter einem Gummiseil festgeklemmte Bootsleine erreichen. Nach einigem hin und her hatte er dann die Leine in der Hand. Ich war inzwischen aus meinem Boot geklettert und verabschiedete mein Boot mit einem kräftigen Tritt. Es schwang herum und Axel zog es ins sichere Kehrwasser. So, das stand ich dann auf meiner Insel. thumb_P1120895_1024Nach kurzer Beratschlagung, kam von Klemens ein Wurfsack herüber gesaust, mit dem in der Hand ich dann zum Sprung hinüber ins Kehrwasser ansetzte. Insgesamt war die Situation sicher nicht besonders gefährlich, aber es war eine gute Rettungsübung unter realen Bedingungen. Ausserdem waren mir die Grenzen meiner Fähigkeiten vor Augen geführt worden und ich beschloss es für heute gut sein zu lassen und umtrug diese Schlüsselstelle und setzte im Auslauf des Kateraktes ein. Zuvor schaute ich aber noch Klemens zu, der die Abfahrt souverän meisterte.Klemens Mittlerweile waren auch die Anderen, die nicht am Campingplatz ausgestiegen waren am Katerakt angelangt, besichtigten ihn und fuhren dann einer nach dem anderen. Es kam noch zu zwei Kenterungen, aber auch hier gab es keine Verluste, weder an Personal, noch an Material.

Nachdem Markus uns Autofahrer zurück zur Einstiegstelle gebracht hatte, wir wieder bei den Booten angekommen, alle Boote auf die Dächer verladen und alle nassen Neoprenanzüge, Schwimmwesten, Wurfsäcke und sonstigen Utensilien verladen waren. Machten sich alle auf den Rückweg nach Carrera. Lutz, Axel und ich machten noch einen Abstecher ins Glennertal um einen Blick in dessen Namensgeber zu werfen. Noch beeindruckt von den heutigen Erlebnissen habe ich spontan beschlossen, dass mich der Glenner nicht so schnell in seine Fänge bekommen sollte. 🙂 Zurück beim Campingplatz bereiteten Axel, Lutz und ich ein umfangreiches Abendessen vor, denn wir waren für dieses Wochenende nicht nur eine Fahr- sonder auch eine Kochgemeinschaft. Nach dem wir viel zu viel gekocht und leider auch das meiste davon gegessen hatten machten wir es uns noch ein Weilchen am Lagerfeuer gemütlich.

P7120260Für den Sonntag stand die Befahrung der klassischen Vorderrheinstrecke von Ilanz bis Reichenau auf dem Programm. Da wir aber ja ein flexibler Haufen sind, wurde das Programm leicht abgeändert. Eine kleine Gruppe hatte sich entschlossen den Glenner, quasi als Apero, vorneweg zu fahren um dann in Ilanz an der Mündung zum Rest der Gruppe zu stoßen. Dafür sollte die Fahrt dann auch nicht bis Reichenau gehen, sondern in Trin am Bahnhof zu Ende sein. Das Stück von Trin bis Reichenau bietet nicht mehr sehr viel Attraktivität und hat meist nur enormen Gegenwind für seine Befahrer übrig. So starteten an diesem Morgen, nach dem alle Zelte abgebaut und verpackt waren, zwei Gruppen. Eine zum Glenner und eine nach Ilanz. In Ilanz ließ ich Axel und Lutz mit unseren Booten zurück und fuhr mit den anderen fünf Autos zusammen nach Trin. Die Strecke vom Dorf hinunter zum Bahnhof am Fluss war sehr P7120273abenteuerlich, da wir nicht genau wussten wie das dort alles mit den Parkplätzen klappen würde hatten wir uns ein gutes Zeitpolster eingeplant, welches wir dann mit Warten auf den Zug verbrachten, da alles reibungslos geklappt hatte. Die Zugfahrt selbst war kurzweilig und bald darauf stiefelten wir in Ilanz, mit Neopren gekleidet durch den Ort, hinunter zur Einstiegstelle. Wir wurden nicht weiter beachtet, das scheint dort eher die Regel als eine Ausnahme zu sein. Die Kanadiergruppe machte wieder die Vorhut. Unser Pegel war immer noch eher im unteren Bereich, jedoch präsentierte sich der Rhein auf diesem Abschnitt schon sehr viel wuchtiger als auf dem gestrigen Teilstück. Nachdem wir den Ort Ilanz verlassen hatten kamen wir zu einem Kieswerk, an dessen Ende ein Damm liegt, der von einer kräftigen Stufe durchbrochen ist. Ich hatte mich noch nicht genug eingewackelt und beschloss dieses Hindernis, so wie Axel auch zu umtragen. P7120287Es sollte aber heute, wie schon am Vortag bei einer Umtragung bleiben. Die heutige Strecke war geprägt durch die imposante Kulisse des Rheintals, wuchtige Schwälle mit hohen Wellen, teilweise mächtigen Prallhängen und als Höhepunkt wartete das berüchtigte Schwarze Loch auf uns, was aber bei diesem Wasserstand gar nicht so fürchterlich furchteinflößend war. Dort herrschte reges Treiben, zwischenzeitlich hatte sich die ganze Tübinger Reisegesellschaft dort eingefunden und auch diverse andere Paddlergruppen fanden sich ein. Ich beschränkte mich auf eine Abfahrt, Klemens, Axel, Roland und René trugen ihre Boote noch mal nach oben um ein zweites Mal zu fahren. René traf einen Bekannten namens P7120506Jens ( edit: Sven), der auch im Kanadier unterwegs war. Er war die Strecke gestern schon gepaddelt, hatte aber das schwarze Loch umtragen, da er alleine unterwegs war und kein Risiko eingehen wollte. Heute hatte er Glück, da er uns getroffen hatte. Er fuhr die Strecke souverän hinunter und schloss sich uns an, zumindest bis Trin konnte er mit uns in der Gruppe fahren. Nun waren wir als zu sechst unterwegs. Bald erreichten wir Versam, wo wir noch mal auf die Glennerfahrergruppe trafen, die hier ihre Fahrt beendeten. Nachdem wir uns verabschiedet hatten machten wir uns bei nachlassenden Schwierigkeiten und zunehmendem Gegenwind auf den letzten Abschnitt des Tages nach Trin. Aber Langeweile kam auch hier keine auf, die beeindruckenden Felsformationen und immer wieder hohe Wellen, das klare Wasser, … hatte ich eigentlich schon den herrlichen Sonnenschein erwähnt?

Nun es kam wie es kommen muss, gegen 16.00 Uhr waren wir in Trin, die Boote wurden verladen, wir zogen uns um, der Eine oder die Andere konsumierte noch ein Eis oder eine andere Erfrischung am Bahnhofskaffee. Dann war das große Verabschieden angesagt und wir machten uns auf den Heimweg. Wir wählten wie schon auf der Hinreise die Strecke über Österreich, dann Wangen, Ravensburg und dann über die Alb zurück nach Tübingen.

Hier noch der Link zu Axels Paddelblog, der sich mit Meinem größten Teils deckt, bis auf den Namen des Mitpaddlers der uns am Sonntag Nachmittag vom schwarzen Loch bis Trin begleitete, er wird sicher wissen wer gemeint ist und sich gegebenenfalls melden.

Edit: Weder Axel noch ich hatten uns richtig an den Namen erinnert, René hat gerade durchgegeben, er heißt Sven.

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