Weidenkätzchen-Tour

Mitte Februar auf der Schwäbischen Alb, überall Weidenkätzchen! Eigentlich hatte ich mich ja auf eine ähnliche Wintertour wie im letzten Jahr gefreut, aber was nicht sein soll, ist auch nicht.
Das einzige, was wie im Winter war, war meine Erkältung.
Die Highlights, ein ziemlich cooler Reiher und mehrere Eisvögel.
Die Rahmenbedingungen, viele Menschen in Booten, dafür dass es ordentlich geregnet hatte relativ wenig Wasser und eben unzählige Weidenkätzchen.
Das Wetter, na ja, geht so.
Die Fahrt war nicht nur im Programm der Paddelfreunde ausgeschrieben, sondern auch noch in dem des GOC, zusätzlich gab es auch eine Ankündigung im Kanadier Forum. Aus Tübingen kamen 14 Paddelfreunde, sieben weitere kamen über den GOC und das Forum dazu.
Wir starteten in Buttenhausen am Wanderparkplatz und bildeten gleich von Anfang an mehrere Grüppchen, zum einen, weil das auf einem so schmalen Gewässer gar nicht anders geht und zum anderen, weil die Störung der Natur, durch kleine Gruppen weniger sein soll wie durch Größere. Einem Reiher, der direkt unterhalb der Einstiegstelle im seichten Wasser nach Beute Ausschau hielt schien alles ziemlich egal zu sein. Er blieb erst ziemlich cool einfach wo er war, machte einmal einen Satz ans Ufer, als ich ihm beim Fotografieren zu sehr auf die Pelle rückte.
Nach ein paar Minuten, ich war schon ein Stück weiter, überholte er, stellte sich wieder ans Ufer und schaute zu, wie ich an ihm vorbei zog. Ziemlich cool, der Reiher. OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Die Eisvögel, die ich zu Gesicht bekam, konnte ich leider nicht ablichten, die waren zu schnell weg. Es waren aber auch jede Menge Zaunkönige am Ufer unterwegs. Frühlingserwachen? Im Februar?
Was am Ufer auch auffiel, waren die unzähligen Biberspuren. Auf manchen Strecken hatte ein richtiger Kahlschlag von kleineren und mittleren Weiden stattgefunden. Die großen Bäume wurden, durch das Anbringen von Maschendrahtzaun am Stammfuss geschützt. Bis zur Mittagsrast plätscherte die Lauter so vor sich hin, alles war sehr entspannt. Ich fuhr quasi im Mittelfeld, sah aber nur Anfangs erst Rolf und dann Klemens vor mir verschwinden und wartete dann unterhalb eines kleinen Schwalls auf Axel und Christian. OLYMPUS DIGITAL CAMERANach der Pause auf einem Rastplatz, unterhalb Bichishausen erreichten wir dann bald das erste unfahrbare Wehr hinter dem sich die einzige etwas kniffligere Stelle auf unserer Strecke befand. Wir mussten zuerst unsere Boote durch einen Bauernhof, ca. 150 m weit tragen. Wir legten die Boote ab um den, nennen wir es mal kleinen Katerakt, in Augenschein zu nehmen. Diese Stelle ist eine leichte S-Kurve, mit einer etwa 50 cm hohen Eingangsstufe, am Ende des S liegt dann noch etwas blöd ein Stein im Weg. Durch den niedrigen Wasserstand war jedoch sehr wenig Druck vorhanden und man hatte genügend Zeit zu manövrieren. Da wir etwas voraus gefahren waren beschlossen wir die Stelle gleich hinunter zu fahren und uns unten mit den Fotoapparaten und den Wurfsäcken für den Fall der Fälle zu positionieren. Bevor man die eigentliche Schlüsselstelle erreicht muss man noch eine sehr niedrige Fussgängerbrücke unterqueren, unter der zur Steigerung noch ein Elektrokabel quer über den Bach hing. Ich fuhr jedoch erst ein mal auf eine Kiesbank oberhalb dieser Brücke und zwar so schwungvoll, dass ich noch einmal kurz aussteigen und ein Stück zu Fuss gehen musste. Ein paar Meter danach kommt das abgeleitete Wasser vom Wehr wieder in den Hauptstrom. Ich ging die Sache relativ defensiv an, tauchte mit meinem langen Boot auch nicht besonders tief in der Eingangsstufe ab. Zu mindest nahm ich kein Wasser auf. Ich achtete darauf das „S“ möglichst einigermaßen geradlinig zu durchfahren, um nicht mittendrin in einem Kehrwasser hängen zu bleiben, was bei der Länge meines Bootes ziemlich sicher dazu geführt hätte, dass ich quer im Bach hängen geblieben wäre.S-Kurve-1Unten angekommen legte ich mein Boot am Ufer ab und lief ein Stück nach oben. Mittlerweile waren auch die nach uns Gestarteten angekommen, hatten das Wehr umtragen und begutachteten die Stelle, um zu entscheiden, ob und wie sie fahren, oder ob sie lieber unterhalb einsetzten wollten. Dann kamen sie nach und nach alle um die Kurve, oberhalb der Eingansstufe.
Ich habe eine ganze Reihe von Fotos gemacht, diese können hier angeschaut werden. Rolf ist dann genau das passiert, was ich zuvor beschrieben hatte. Es stellte in quer und er blieb mit dem Bug am einen und mit dem Heck am anderen Ufer hängen. Ich packte den Foto weg und eilte ihm zu helfen. Axel war jedoch schon zur Stelle sagte zu Rolf: „ich hebe deinen Bug an, dann kommst du frei“, machte das auch, war aber so schnell, dass Rolf nicht mehr die Chance hatte zu stützen. Im Nachhinein könnte man sagen, die Lage in der sich Rolf befand, war nicht sehr komfortabel, aber auch nicht bedrohlich und Axel hätte nicht unbedingt so schnell und herzhaft zupacken müssen, wer jedoch schon gesehen hat, wie sich ein vollgelaufenes Boot, das hinten und vorne am Ufer festliegt verhalten kann, der kann Axels schnelles und beherztes Eingreifen sehr gut verstehen. Rolf tat dies auch, als er wieder festen Boden unter den Füssen hatte. Es stellt sich mir schon die Frage, was passiert wäre wenn Axel gezögert hätte.
Später auf dem Nachhauseweg haben Axel und ich überlegt, wie wir vielleicht, im Rahmen des Sicherheitstreffen solche Situationen üben können. Es ist jedoch etwas anderes, ein schon etwas ramponiertes Boot vor einem in der Strömung liegen Hindernis fest zu klemmen und zu bergen, als ein mit einem oder zwei Paddler besetztes Boot in eine solche Situation zu bringen. Aber alles zu seiner Zeit.

Der Rest der Fahrt verlief relativ unaufgeregt mit zwei kurzen Unterbrechungen, einmal durch das zweite Wehr, welches wir umtragen mussten und dann noch eine Engstelle, verursacht durch einen Baum, der einem Biber zum Opfer fiel und uns etwas die Durchfahrt verengte. Die letzten Kilometer mäandert die Lauter in ihrem Tal von der einen zur anderen Seite und man kann versuchen lustige Fotos zu machen, auf denen nur die Köpfe seiner Paddelkollegen zu sehen sind.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Gegen Ende wurde mir die Strecke dann fast etwas zu lang. Es kam ein fieser, kalter Wind auf und lies mich dann doch spüren, dass Februar war. Das Umziehen und Verladen der Boote zog sich dann auch etwas hin, große Gruppen sind einfach immer etwas träge.
Wie schon im letzten Jahr liessen wir die Fahrt im Kaffee Icarus in Buttenhausen ausklingen, nach dem alle zur Einsatzstelle zurückgekehrt waren.

Vielen Dank an Axel, dass er mich davon abgehalten hat mit dem Holzboot zufahren. Das hätte bei dem Wasserstand doch wieder für einige neue Macken gesorgt.
Hier der Link zu seinen Bildern und zu seinem Bericht.