Traditionelle Paddel

Die von den Indianern in Nordamerika entwickelten Paddeltypen können durchaus als die Vorfahren heutiger Paddelformen bezeichnen werden. Allerdings gilt nur noch das beliebte Beavertail-Paddel als der traditionelle Paddeltyp. Das ist etwas verwunderlich, da in Nordamerika in unterschiedlichen Gebieten sehr viele verschiedene Paddel entwickelt wurden. Die Erklärung ist wohl, dass diese Paddelform in einer Gegend verbreitet war, in der sich später die großen Kanumanufakturen Old Town und Chestnut ansiedelten. Neben den guten Eigenschaften des Paddels wurde es wahrscheinlich auch deshalb so bekannt, weil Old Town und Chestnut beim Kauf eines Kanadiers lange Zeit auch zwei Beavertail-Paddel mitlieferten.

Was Formen, Materialien und Größen von Paddeln angeht, gibt es inzwischen ein großes Angebot. Die nordamerikanischen Ureinwohner nutzten das ihnen zur Verfügung stehende Material. Die wichtigsten Eigenschaften waren Gewicht, Stärke, Flexibilität und Haltbarkeit. Esche, Ahorn und Fichte sind noch heute aufgrund ihrer Eigenschaften die beliebtesten Holzsorten für Paddel. Aber auch Walnuss und Kirsche sollen hier genannt sein. Unbestritten ist, dass sich Holzpaddel nicht nur wegen des hohen ästhetischen Wertes noch immer großer Beliebtheit erfreuen.

Der Vorteil der Paddel, welche die Indianer benutzten, wurden später auch von den weißen Entdeckern erkannt. Die so genannten Voyageurs, die sich in dem oft unwegsamen Gelände Nordamerikas auf den unzähligen Flüssen vorwärts bewegten, legten am Tage sehr große Strecken zurück. Ihre Paddel waren schmal geformt, um bessere Kontrolle zu haben. Da der geringste Widerstand entlang der Schaftachse auftritt, bewegten sie sich damit sehr kraftsparend über lange Strecken vorwärts. Die Paddelblätter waren sehr lang, um sicher im tiefen Wasser paddeln zu können und die Griffe ließen verschiedene Variationen beim Greifen zu. Oft waren sie insgesamt sehr lang und ermöglichten stehendes Paddeln, um sich so einen Überblick verschaffen zu können. Lediglich im Wildwasser wurden Paddel mit breitem Blatt benutzt. Hier ist der Zusammenhang zwischen Form und Anwendung des Paddels sehr deutlich zu erkennen. Es war kein Zufall, dass sich dieser Paddeltyp über einen langen Zeitraum durchgesetzt hat.
Auch in Südamerika entwickelten sich verschiedene Paddeltypen. Diese waren recht verschieden und hatten oft ein kurzes und sehr rundes Blatt. Interessant dabei war, daß sich verschiedene Indianerstämme am Geräusch des eintauchenden Paddels im Wasser erkennen konnten. Dieses Geräusch war durch die vielfältigen Formen immer etwas unterschiedlich.
Kanadier, die auf dem Ozean fuhren, wurden mit sehr schlanken Paddeln angetrieben. Sie waren damit kaum anfällig gegen Wind. Diesen Vorteil erkannten übrigens auch die Inuit im kalten Norden, die extrem schlanke Doppelpaddel für ihre Kajaks verwendeten und damit kraftsparend und auf der Jagd außerdem fast lautlos durch das Wasser gleiten konnten.

Auch verschiedene Griffe boten oft interessante Details. So hatten Paddel im Pazifikraum sehr harte und runde Griffe, welche unzweifelhaft als Waffen genutzt wurden.

Das richtige Paddel

Die Anforderungen sind für Wildwasserpaddeln, Wanderpaddeln oder für Kanuballett (“Freestyle”) relativ verschieden. Schmale Blätter ermöglichen ein kraftsparendes Vorwärtskommen und sind somit für lange Strecken geeignet. Beim ersten Gebrauch kann sich der Paddler anfangs zwar etwas verloren fühlen, lernt jedoch die Vorzüge dieses Paddeltyps mit der Zeit zu schätzen. Breite Blätter eignen sich im schnellen und flachen Wasser. Im ruhigen Wasser bewegt man sich damit zwar schneller vorwärts, der Kraftaufwand fordert jedoch seinen Tribut. Ein Beavertail-Paddel gilt als guter Kompromiß für verschiedene Bedingungen. Gebogene Paddel (“Bent Shaft-Paddel”) eignen sich gut für Solo- oder Rennpaddler. Sie ermöglichen ein schnelles und gerades Vorwärtskommen. Durch den gebogenen Schaft steht das Blatt bei jedem Schlag nahezu senkrecht im Wasser und man hat dadurch eine kraftvolle und effektive Wirkung. Andererseits beeinträchtigt die Biegung das kreative Paddeln. Im Gegensatz zum geraden Paddel kann man hier beim Steuern nur die Seite des Blattes nutzen, mit der effektiv Kraft ausgeübt wird. Das wirkt sich beispielsweise beim Kanuballett nachteilig aus.