Angeberschwan

Anbetracht der Tatsache, dass viele Stocherkähne schon wieder auf dem Wasser sind und ich keine Lust hatte Slalom zu fahren, machte ich mich heute schon relativ früh auf den Weg zum Bootshaus. Der Pegel war gestiegen, der Anleger am Bootshaus war kurz davor überspült zu werden. Ich wollte heute mal wieder ausgiebig das Paddel benutzen, im Gegensatz zu meinen letzten Fahrten. Also machte ich mich auf, hinunter Richtung Stadt. Der Himmel war noch Wolkenverhangen, doch die Sonne blitzte hin und wieder durch kleine Lücken. Um die große gestaute Fläche vor dem Stadtwehr war eine ganze Ansammlung von Anglern. So konnte ich nicht am Ufer entlang schleichen, sondern fuhr gezwungener Maßen mitten auf dem Fluss. Unter den Augen der Angler fuhr ich stur auf die Kante des Wehrs zu. Es lief eine Menge Wasser über die Krone und ca. 4-5 m vor dem Absturz setzte ich einen Ziehschlag und drehte mein Boot um 180°.

Ob die Angler befürchtet hatten ich würde das Wehr hinunter stürzen weiß ich nicht, es hat auf jeden Fall keiner reagiert. Aber ich fühlte mich schon irgendwie beobachtet. Der psychotische Schwan war auch wieder da und nahm mich gleich ins Visier. Jetzt zog ich noch mehr Aufmerksamkeit auf mich, erwarteten die Zuschauer wohl ein Spektakel zu sehen. Aber sie kamen nicht auf ihre Kosten, er machte zwar dicke Backen und schwamm aufgeplustert neben mir her, ging aber nicht wirklich zum Angriff über. Vielleicht hat er ein Agressions-Bewältigungs-Training absolviert oder vielleicht kennt er mich mittlerweile und sieht mich nicht länger als schlimmen Eindringling an.

Oder er wird langsam alt. Wahrscheinlich war er noch müde. 🙂 Na ja, egal. Ich ließ in zurück und fuhr den linken Neckararm hinauf, wechselte an der oberen Spitze der Insel vom Paddel zur Stakstange und polte zurück zum Anleger. Die Sonne schien mittlerweile kräftig und mir wurde ordentlich warm. Am Anleger fiel mir auf, dass der Pegel in der Zwischenzeit mindestens 20cm gesunken war.