Krems – Tulln

Der folgende Tag, der 24. August sollte der letzte unserer Fahrt sein. Ein Wehr hatten wir zu überwinden. Das Kraftwerk Altenwörth, wieder eines mit einer zweistufigen Umsetzanlage. Wir hatten Rückenwind, aber diesmal wollte es mit dem Segeln nicht so recht klappen. Also ließen wir uns einfach etwas schieben und suchten so oft wie möglich den Schatten unter den Bäumen am Ufer. Gegen frühen Nachmittag erreichten wir Tulln. Von weitem erkannten wir ein Riesenrad und auf der Donaubühne spielte sich eine Band ein. Ich sagte zu Lorenz, was gibt den das? Er sagte: „Ist doch klar, das ist für unseren Empfang“
Im Sportboothafen von Tulln legten wir an, schoben mit Unterstützung eines netten Helfers das Boot die Rampe hoch und karrten bis zum ca. 500 m entfernten Campingplatzes.
Als wir unser Auto an einem lauschigen Plätzchen im Schatten von hohen Akazien fanden, riefen wir Anke und Jolanda auf dem Handy an. Sie waren im nahen Aubad, kamen aber gleich zu uns um uns zu begrüßen und uns, nachdem wir uns etwas eingerichtet hatten wieder mit ins Aubad zu nehmen. Es gab viel zu berichten, von zu Hause und von unterwegs. Der Tag klang aus bei Pommes und Wein aus der Wachau.OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Emmersdorf – Krems

Der nächste Tag war der zweite der beiden Tage ohne Umtragen. Noch dazu fuhren wir durch die Wachau, 33 Kilometer mit guter Strömung. Wir ließen uns viel treiben und schauten uns die herrliche Landschaft, die vielen Ruinen, Kirchen und Burgen an, die dort in sehr großer Dichte vorhanden sind. Wir stellten auch anhand der Kilometrierung am Ufer und der Stoppuhr diverse Messungen und Berechnungen unserer Reisegeschwindigkeit an.

Wir pausierten auf einer riesigen Kiesbank mitten in der Donau. Wir beobachteten gespannt wie die vorbeiziehenden Last- und Personenschiffe erst das Wasser wegsaugten und dann wieder zurück warfen. Unser heutiges Etappenziel Krems war bald erreicht, gegen 14.00 Uhr waren wir bereits auf unserem Zeltplatz. Die Hitze war unerträglich. Lorenz verkroch sich im Aufenthaltsraum, dort war es dunkel und kühl. Da wir in Grein nicht alles besorgen konnten was wir brauchten, machten wir später noch eine Spaziergang ins Stadtzentrum und gingen Einkaufen. Abends nach dem Essen spielten wir im Aufenthaltsraum des Campingplatzes Dart auf einer elektronischen Scheibe.

Grein – Emmersdorf

Am Tag darauf waren wir wieder sehr früh auf den Beinen. Das Boot lag schon im Wasser und ich war gerade dabei den Bootswagen darunter weg zu ziehen, als Lorenz testete ob die Rampe nicht zu glitschig sei um gut ins Boot zukommen. Das Experiment endete damit, dass er sich umziehen musste.
Unser Zeitvorsprung war dahin, aber unsere heutige Strecke sollte auch nicht zu lange sein.
Ein genaues Ziel hatten wir noch nicht festgelegt, irgendwo in der Gegend um Melk wollten wir uns einen Zeltplatz suchen. Aber zuerst stand wieder ein mal Staupaddeln auf dem Programm. Am Ufer der Donau gab es alle 1000 Meter ein Kilometerschild, dazwischen alle 100 Meter einen Stein mit den Zahlen von 9 bis 1. An diesem Morgen sahen wir eine Frau auf einem Quard, bewaffnet mit einem Eimer roter und weißer Farbe, die die Beschriftung auf diesen Steinen ausbesserte. Ein paar hundert Meter weiter war ein Mann, ebenfalls auf einem Quard mit einer Motorsense unterwegs, der dafür sorgte, dass die eingewachsenen Steine wieder zum Vorschein kamen. Eigentlich ein cooler Job, könnte man ja auch vom Kanu aus machen.
Für die Umsetzanlage Ybbs kündigte unser Kanuführer nichts guten an. Die Ausstiegstelle lag im Bereich des Einlaufkanals des Kraftwerks und es wurde davor gewarnt in dessen Sog zu gelangen. Das machte mir wenig Sorgen, denn bei unserem Wasserstand konnte der Stromzug nicht allzu stark sein. Dem war auch so. Der Ausstieg war aber trotzdem nicht so komfortabel wie die Tage zuvor. Ein Schwimmsteg belegt mit Gitterrosten, der uns zum kompletten Ausladen des Bootes zwang. Bei der Einstiegstelle hatte der Kanuführer nicht zu viel versprochen. Eine lange steile Treppe. Das bedeutete, das Boot und das Gepäck tragen. Mittlerweile war es wieder recht heiß geworden und das gesamte Unterfangen war recht schweißtreibend. Nach dem Kraftwerk wurden wir dafür mit leichter Strömung belohnt. Wir passierten die Stadt Ybbs und bald danach die Mündung des gleichnamigen Flusses. Diese beiden zu kennen ist sehr wichtig, vor allem wenn man gerne Stadt, Land, Fluss spielt.
Die Hitze machte uns sehr zu schaffen, noch dazu hatte der Gegenwind, der uns oft ein wenig Kühlung verschaffte aufgehört zu wehen. Am Nachmittag vor der zweiten Staustufe des Tages kam sogar Rückenwind auf. Der Wind glich die fehlende Strömung aus und als er auffrischte packten wir unseren kleinen Lenkdrachen aus und nutzten ihn als Treibsegel.
Die Staustufe vor Melk wurde wieder über ein Altwasser überwunden. Diesmal musste allerdings zwei mal übergesetzt werden, einmal von der Donau ins Altwasser und dann vom Altwasser zurück in die Donau. Die Ein und Ausstiege waren aber so beschaffen, dass wir das beladene Boot mit dem Bootswagen transportieren konnten. Gegenüber von Melk fanden wir dann in Emmersdorf einen kleinen Zeltplatz für die nächste Nacht.
Die Ausstiegstelle hatte wieder ihre Tücken. Zuerst ein paar Meter Kiesstrand, gespickt mit diversen Hindernissen, und dann eine steile Rampe. Die Rampe war wie so oft aus groben Steinbrocken zusammengesetzt, mit großen Fugen in denen die Räder unseres Bootswagen gerne stecken blieben. Nach den ersten beiden gescheiterten Versuchen den Zeltplatz mit beladenem Boot zu erreichen, luden wir dann doch wieder mal das Gepäck aus und schleppten es bis auf den Hochwasserdamm. Mit dem leeren Boot war die Rampe dann leicht zu überwinden. Vom Damm aus ging es dann mit dem vollen Boot wieder spielend bis zu unserer Zeltwiese. Von dort aus hatten wir einen herrlichen Blick auf das Kloster Melk, auf der gegenüberliegenden Seite der Donau. Die Stimmung war gewittrig, jedoch wollte es noch nicht richtig loslegen. Nach dem Abendessen machten wir uns noch mal auf den Weg und ließen den Abend in einer nahegelegenen Gartenwirtschaft, Lorenz bei Apfelschorle und ich bei einem Schoppen Wachauwein, ausklingen. Lorenz ergatterte wieder einmal eine Ladung Bierdeckel, seine Sammlung hatte mittlerweile eine stattliche Anzahl, angenommen. In der Nacht zogen einige heftige Gewitter über uns weg.

Ruhetag in Grein

Diesmal weckte uns nicht die Sonne. Dunkle Regenwolken waren nachts heraufgezogen.
Schon seit Tagen waren Gewitter angekündigt, es wurde allerdings bislang nichts daraus.
Unsere direkten Zeltnachbarn waren diesmal keine Kanuten, sondern Motorradfahrer, die auf dem Rückweg von der Krim waren. Sie erzählten dass der Wassermangel in Rumänien und Bulgarien noch schlimmer sei als hier, das einzige was noch etwas grün gewesen seien die Karpaten gewesen. Alles andere, vor allem die Ernten seine verdorrt.
Im Laufe des Morgens fing es dann auch prompt an zu regnen und wir verzogen uns erst mal wieder ins Zelt. Der Regen war aber nur von kurzer Dauer und als wir uns auf den Weg in die Stadt machten schien bereits wieder die Sonne. Wir besuchten zuerst das Schifffahrtsmuseum, das im Schloss Grein untergebracht ist. Neben verschiedenen Modellen von Donauschiffen und Flößen waren auch Darstellungen von alten Wehranlagen, Kanälen und Mühlen zusehen. Ein besonderes Gewicht hatten Darstellungen zum so genannten Greiner Strudel und der Insel Wörth kurz hinter Grein.
Diese waren in der Vergangenheit ernsthafte Hindernisse für die Schifffahrt auf der Donau gewesen. Diese Zeiten sind längst vorbei, den auch hier ist die Donau mittlerweile nur ein leicht strömender Stausee. Allerdings ist im Bereich der Insel Wörth Einbahnverkehr auf der Donau angesagt. Die bergfahrenden Schiffe fahren links der Insel, die talfahrenden Schiffe, also auch wir rechts.
Aber noch war es nicht soweit, wir hatten noch einige Besorgungen zu machen und vor allem wollten wir um 17.00 Uhr das kleinste und älteste Theater im deutschsprachigen Raum besichtigen.

Grein Das Theater hatte ausser seiner Größe noch ein paar andere Sehenswürdigkeiten zu bieten. So gab es zum Beispiel im Zuschauerraum ein Plumsklo, dass nur durch einen Vorhang abgetrennt war. So war es möglich, sein Geschäft zu verrichten während man weiter der Vorstellung folgte. Also eigentlich konnte man das noch immer, ob es allerdings noch praktiziert wurde habe ich vergessen zu fragen.
Die zweite Kuriosität war die Tatsache, dass im Theater früher auch das Stadtgefängnis untergebracht war und dass die Insassen durch ein Loch in der Wand ebenfalls den Vorstellungen folgen konnten.
Die Bevölkerung brachte damals den Häftlingen etwas zu Essen, zu Trinken oder zu Rauchen mit, so dass sie während der Vorstellungen Ruhe gaben. Das Theater ist immer noch in Betrieb und hat ca. 120 Sitzplätze. Die vordersten drei Reihen haben nach oben klappbare Sitze, die mit einem Schloss abgesperrt werden können. Die Sperrsitze. Der Schlüssel zu so einem Sperrsitz konnte für ein Jahr gemietet werden, der Vorläufer des Theaterabos.
Nach dem Theaterbesuch gingen wir zurück zum Zelt und verhalfen dem Ruhetag zu seinem verdienten Namen, in dem wir ein bisschen rumgammelten.

Linz – Grein

Wieder zwei Kraftwerke, zwei Staustrecken, zwei Umtragestellen. Wir waren schon früh auf dem Wasser, passierten in morgendlicher Ruhe den Hafen und das Industriegebiet von Linz.
Die beiden Umsetzanlagen waren wieder so konzipiert wie die am Tag zuvor. Vor dem Wehr wurde ins Altwasser übersetzt, nach dem Wehr fuhren wir zurück in die Donau. Beim Kraftwerk von Abwinden hatten wir sowohl an der Ausstieg, als auch an der Einstiegstelle eine Rampe die das Befahren mit voll beladenem Boot ermöglichte.
Wir waren dazu übergegangen unsere Mittagsrast nicht mehr am Ufer zuverbringen sondern im Boot. Die Plätze an den Staustufen waren oft nicht so sehr einladend und extra irgendwo zu halten um ein Brot zu essen war uns zu lästig. So drehte sich Lorenz im Boot vorne einfach um, kramte im Küchensack unsere vorbereitete Verpflegung hervor und wir liessen uns wärend der Pause einfach weitertreiben. Mittels Paddel wurden Käsebrote hin und her transportiert und ab und zu auch ein Steuerschlag gemacht.
Der Tag war unglaublich heiß. Über Mittag suchten wir wieder den Schatten der Bäume am Ufer.
Beim Umsetzen am Nachmittag, bei der Staustufe Wallsee, hatten wir nicht so viel Glück wie am Vormittag. Das Unterwasser war ziemlich verschlammt, das Altwasser sah ein bisschen aus wie ein Priel im Wattenmeer bei Ebbe. So deutlich war der niedrige Wasserstand der Donau noch nie sichtbar und spürbar geworden wie hier. Kurz vor dem Ende des Altarms, bei Wallsee lag ein Freibad mit Wiese und Kiosk und wir holten uns erst mal ein Eis. Bei einen kurzen Gespräch mit der Frau im Kiosk, sagte sie mir, dass der Donau momentan mindestens zwei Meter Wasser fehlten.

Nach dem wir uns im Schatten ein wenig erholt hatten sprangen wir noch kurz in Wasser um uns etwas abzukühlen. Als wir wieder zurück auf der Donau waren blieben uns noch ca. zehn Kilometer bis Grein. Es war schon Nachmittag und die Sonne hatte etwas an Kraft verloren. Ausserdem kamen wir wieder in etwas hügeligere Landschaft und so konnten wir auch hier wieder etwas den Schatten suchen.
So gegen 18.00 Uhr hatten wir Grein erreicht, im Hafen für Sportboote gab es eine bequeme Rampe und so rollerten wir schnurstracks zum Campingplatz in Grein.
Geschafft 54 Kilometer, eine satte Leistung.
Als wir das Zelt aufgestellt hatten spurteten wir noch zum Hofer (Aldi), der um 19.00 zumachte. Wir mussten schon wieder einkaufen. Ja, wer viel paddelt hat auch Hunger. Diesen Abend wurde es wieder spät, was nicht tragisch war, am nächsten Morgen könnten wir ja ausschlafen.

Inzell – Linz

Als ich aufwachte fühlte sich mein Rücken etwas besser, jedoch machte ich mir sorgen ob die heutige Etappe mit 54 km bis Linz nicht etwas zu heftig werden würde.
Wir kamen aber wieder schnell aufs Wasser und der Morgen war noch angenehm kühl.
Heute hatten wir wieder zwei Staustufen vor uns und die Strömung war kaum spürbar. Die Rampe der Umsetzanlage Aschach war so beschaffen, dass wir das Boot im Wasser auf den Wagen bekamen und auch im Unterwasser mit dem Wagen soweit in Wasser fahren konnten bis es wieder schwamm. Und das alles ohne das Gepäck auszuladen. Das war natürlich super und sparte uns Zeit und Energie. Mein Rücken war begeistert. Die zweite Staustufe des Tages bei Ottensheim wurde überwunden in dem man vor dem Wehr in einen Nebenarm übersetzte. Die Rampe beim Ausstieg war wieder so wie die erste, also einfach zu bewältigen, jedoch beim Wiedereinstieg musste das Gepäck dann doch raus. Im Nebenarm befand sich die Regattastrecke des Kanuleistungszentrum von Oberösterreich, was uns aber nicht davon abhielt ganz gemütlich weiter zu paddeln, immer Richtung Linz.
Zurück in der Donau bemerkten wir wie wir Fahrt aufnahmen, die Strömung half mit den Rest unserer Strecke gut zu bewältigen. Bei Donaukilometer 2134 legten wir an einer Schotterrampe an und hatten einige Mühe das Boot aus dem Wasser zubekommen. Ein Familienvater der dort mit seinen Jungs Enten füttern wollte war sehr hilfsbereit, was die Sache echt erleichterte. Dann mit dem Boot über einen Verkehrsübungsplatz für Radfahrer gerollert, über den äusseren Hochwasserdamm und schon waren wir auf dem Gelände des Kanu und Ruderverein Linz, mit einem riesigen Bootshaus und super Duschen. Die Platz- und Bootshauswartin versorgte uns mit reichlich Informationen was den weiteren Streckenverlauf, den Wasserstand und die daraus resultierende Fliessgeschwindigkeit anging. Sie meinte in einem Tag bis nach Grein zu gelangen sei mit dem Kanadier zwar sportlich, aber durch aus zu schaffen. Unserem Vorhaben nach einem weiteren Tag Pause in Grein, dann in zwei Tagen bis Tulln zu kommen, erteilte sie aber eher eine Absage. Der Donau fehle es einfach an Wasser. Als wir uns zu Hause meldeten erfuhren wir zu dem, dass unser Auto nicht mehr zu starten war. Anke und Jolanda wollten eigentlich Tags darauf Richtung Tulln losfahren, unterwegs ein mal übernachten und uns dann am Donnerstag in Tulln erwarten. Jetzt musste erst ein mal das Auto repariert werden. Das war zwar ärgerlich und würde auch wieder teuer werden, jedoch verschaffte es uns etwas Spielraum was unseren Zeitplan anging. Wir beschlossen den letzten Teilabschnitt von Grein bis Tulln in drei anstatt in zwei Tagen zu bewältigen.
Aber zuerst stand am nächsten Tag die Strecke von Linz nach Grein an.

Passau – Inzell

Am Samstag, den 18. August sollte uns unsere Strecke von Passau nach Inzell in Österreich führen. Morgens hatten wir noch etwas Strömung, jedoch mussten wir uns bald, bis zum Stauwehr in Jochenstein, durch den üblichen Stausee kämpfen. Die Umsetzanlage in Jochenstein war schnell überwunden und es sollte auch für diesen Tag die einzige bleiben. Kurz nach dem Wehr bemerkten wir am linken Ufer eine Blasmusikkapelle und beim Näherkommen bemerkten wir ein traditionelles Floß was dort am Ufer lag. Als wir ein paar Kilometer später an einem Gasthof einkehrten, wurde uns erzählt dass dieses Floß am Morgen gebaut worden war und den Tag über bis Inzell vorankommen sollte. Dort sollte es dann abends mit einem Fest begrüßt werden.

Na, prima, schon wieder Musik bis spät in die Nacht. Wir ließen uns aber nichts anmerken und sobald das Floß hinter der letzten Kurve auftauchte machten wir uns wieder auf den Weg um es ein Stückchen zu begleiten.
Am späten Nachmittag hatte sich Lorenz verkehrt herum in die Bootsspitze gesetzt um etwas auszuruhen. Es dauerte nicht lange und er schlief tief und fest. Unsere Tagesetappen waren ganz schön anstrengend und so gönnte ich ihm die verdiente Pause und paddelte eine Stunde allein vor mich hin. Ich hatte mir am Morgen bei unserer ersten Rast etwas den Rücken verrenkt, als ich das Boot am Ufer hoch gezogen hatte um es vor den Dampferwellen in Sicherheit zu bringen, deshalb ließ ich es etwas ruhiger angehen. Von mir aus konnte es ruhig noch etwas dauern bis wir die Sachen aus dem Boot hieven und das Boot zur Zeltwiese schleppen mussten. Jedoch als Lorenz ausgeschlafen und gestärkt durch seine Pause wieder ins Geschehen eingriff, dauerte es nicht mehr lange und wir passierten die Schlögener Schlinge und kamen bald in Inzell an.
Als wir anlegten wusste ich nicht, wie ich das Gepäck und das Boot an Land bekommen sollte. Aber kaum aus dem Boot hörte ich schon einen unserer Bekannten aus Passau rufen: „Die Konschtanzer sinn do!“ Also alles kein Problem vier zusätzliche Hände die zupackten und schon war alles an Ort und Stelle. Lager aufbauen, Kochen, Essen, Spülen und noch ein kleiner Rundgang durch den Ort, der schnell zu Ende war, da Inzell aus maximal sechs oder sieben Häusern besteht. Das Floß, welches hätte Abends ankommen sollen haben wir nicht mehr wieder gesehen, es war ruhig in der Nacht, vom Schnarchen der Nachbarn abgesehen.

Ruhetag in Passau

Früh Morgens hing das Tal in dem unser Zelt stand voller Nebel, der sich aber bald nach dem die Sonne über den Berg kam aufgelöst hatte.
Auch hier hatten wir unter unseren zahlreichen Zeltnachbarn Kanufahrer, die meisten jedoch waren mit den Fahrrädern unterwegs. Auf dem Zweierkajak das die beiden dabei hatten stand der Wassersportverein Schwörstadt. Wie sich aber bei unserem Gespräch heraus stellte kam der eine aus Karlsruhe, der andere aus Freiburg. Sie waren vor drei Wochen in Zwiefaltendorf gestartet und wollten heute weiter. Ihr Ziel war Linz, welches sie bis in einer Woche erreichen wollten. Unser Plan sah vor, nach unserem Ruhetag in zwei Tagen in Linz zu sein, also würde man sich noch mal sehen.
Bald nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Wir besorgten ein paar Sachen, die wir beim gestrigen abendlichen Einkauf nicht bekommen, beziehungsweise vergessen hatten und erstanden eine geschmiedete Stahlpfanne die unsere Küche ergänzte. Wir kombinierten unseren Einkauf mit einem Stadtrundgang und verlängerten den Rückweg über die Veste Oberhaus zu einer kleinen Wanderung.
Wieder zurück auf unserer Zeltwiese bereiteten wir zuerst unsere neu gekaufte Pfanne vor, in dem wir mit Salz bestreute Kartoffelscheiben darin anbrieten. Natürlich kam die Pfanne nach dem sie ordentlich eingebraten war gleich noch mal zum Einsatz, diesmal für Bratkartoffeln. Nach dem Abendessen und Spülen bereiteten wir alles für den nächsten Tag vor, wir wollten einigermaßen zeitig loskommen.

Um morgens Zeit zu sparen kochten wir abends immer eine Thermoskanne voll Tee, der dann am nächsten Morgen trinkfertig war. Wir bereiteten auch immer schon den Proviant für tagsüber vor, so dass wir morgens nur ein kleines Frühstück, entweder Müsli oder Marmeladebrot richten mussten. Dadurch wurden wir immer schneller morgens und schafften es meist unter anderthalb Stunden vom Aufstehen bis zum Lospaddeln.
Auf dem Zeltplatz am Ufer der lIz herrschte Betriebsamkeit Radfahrer, Radfahrergruppen und Familien bauten Zelte ab oder auf, einige kannten wir schon von unterwegs. Obwohl die Radfahrer meist schneller waren als wir, trafen wir sie meist auf den Zeltplätzen wieder.
Der Rest unseres Ruhetages ging mit Postkarten- und Tagebuchschreiben, Malen und Lesen so wie unorganisiertem Rumgekruschtel in unserem Gepäck zu Ende.

Niederalteich – Passau

Der Morgen war sonnig und nach den üblichen ein bis zwei Stunden für Frühstück und Lagerabbau waren wir wieder unterwegs. Wir begleiteten Udo bis Vilshofen, wo er seine Fahrt beendete, machten unterwegs gegenseitig Fotos voneinander, da man Bilder von sich selbst im Boot ja sonst selten bekommt. Der Himmel war mittlerweile bedeckt und als wir uns von Udo verabschiedeten fing es an zu regnen. Wir paddelten zu erst ohne Regenjacken, nach dem es sich aber einigermaßen eingeregnet hatte zogen wir sie doch über. Jetzt machte sich auch schon der Stau vor dem Kraftwerk in Passau bemerkbar.

Das Kachlet, so der Name der Staustufe ist aus dem Jahre 1927 und somit das älteste Kraftwerk an der Donau welches in Betrieb ist. Bis wir die Umtragestelle erreicht hatten, hatte es aufgehört zu regnen, so dass wir die Schlepperei entspannt in Angriff nehmen konnten. Lorenz hatte die Idee das Boot mit des werkseignenen Bootswagen zu transportieren und karrte diesen gleich ins Wasser. Das Boot ließ sich aber auf der Rampe nicht auf den Wagen legen, so dass wir beschlossen doch unseren eigenen Wagen zu nehmen. Beim Rückwärtslaufen rutschte Lorenz auf der glitschigen Rampe aus und landete mit dem Allerwertesten ziemlich unsanft im Matsch. Na ja, der nächste Tag sollte wieder ein Ruhe Tag sein und wir hatten ja dann Zeit und Gelegenheit zu waschen. Weitere Schäden waren keine entstanden, ausser einem etwas geprellten Ellbogen.

Bei der Umsetzanlage war ein Schild angebracht: „Achtung Kanuten! Ilz-Befahrung wegen Brückenbauarbeiten nicht möglich.“ Es war auch eine Telefonnummer für weitere Infos angegeben. Als Zeltplatz für die kommende Nacht hatten wir den Kanu-Club in Passau vorgesehen. Der liegt etwa ein Kilometer oberhalb der Mündung an der Ilz.
Super! Also Telefon ausgepackt und angerufen. Keiner ging ran. Auch gut, dann musste die Situation halt vor Ort angeschaut werden. Würde schon irgendwie gehen.
Nach dem Einstieg beim Kachlet war es nicht mehr weit nach Passau. Jede Menge Ausflugsdampfer verschiedener Größen lagen dort vertäut. Einige kannten wir schon, die waren also doch nicht schneller als wir. Am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz bogen wir links ab und fuhren die Ilz, die keine nennenswerte Strömung aufwies hinauf. Nach etwa 500 m kamen wir zu einer Brücke, die relativ neu aussah, von einer Baustelle jedoch keine Spur. Wir erfuhren später, dass die Baustelle schon seit ein paar Jahren abgeschlossen sei.
Nach weiteren 500 m erreichten wir das Gelände der Faltbootabteilung des Sportvereins in Passau, mit Zeltplatz und Bootshaus. Die Rampe war zwar steil, aber wir konnten bequem zur Zeltwiese rollern. Da wir recht früh dran waren, es war erst 14.00 Uhr, war noch nicht besonders viel los. Nach dem wir uns angemeldet und eingerichtet hatten, beluden wir eine Waschmaschine und gammelten ein bisschen auf der Wiese rum. Als wir die Wäsche dann in den Trockner gepackt hatten machten wir noch einen kleinen Einkaufsausflug zum nächstgelegenen Supermarkt.

Straubing – Niederalteich

Morgens sprach ich kurz mit einem Zeltnachbarn, der auch mit dem Boot unterwegs war. Er war schon fast auf dem Sprung und ich fragte ihn kurz nach den Verhältnissen auf unserem heutigen Streckenabschnitt. Er sagte, die Strömung sei gut und er hätte es nicht eilig, würde in Deggendorf bei einem Biergarten gleich hinter der Eisenbahnbrücke einkehren. Wir kamen ca. eine Stunde nach ihm los und er hatte uns nicht zu viel versprochen. Man merkte der Donau an, dass wir heute keinen Stau auf unserer Strecke hatten. Kurz vor uns startenden noch zwei weitere Camper vom Straubinger Kanu-Club, in einem Schlauchkanadier. Sie fuhren dicht unter Land, so dass wir sie bald ein- und überholten. Wir sahen sie nicht wieder.

Wir waren nicht die einzigen auf dem Wasser… Seit wir das Stadtgebiet von Straubing verlassen hatten begleitete uns das stetige Brummen der Motorboote. Auch Gruppen von Kanufahrern und vor allem jede Menge mit Bierkästen ausgestattet Schlauchboote waren unterwegs.
Nach ein paar Kilometern trafen wir unseren Zeltnachbarn vom Morgen wieder. Er saß an einem Kiesstrand und machte Pause. Wir beschlossen ebenfalls eine kurze Rast einzulegen. Nachbar Udo machte sich bald jedoch schon wieder auf den Weg. Wir würden ihn bestimmt noch mal treffen.
Die Strömung war flott und gegen Mittag hatten wir Deggendorf erreicht. Hinter der Eisenbrücke fanden wir an einem Kiesstrand ein rotes Kajak, das wir kannten. Im Schatten im Biergarten trafen wir Udo und gesellten uns zu ihm. Wir tauschten uns über unsere Reisepläne aus und Udo machte den Vorschlag, ein gemeinsames Nachtquartier auf einer Kiesbank zu suchen. Gesagt getan… aber das war gar nicht so einfach! Am Feiertag (Maria Himmelfahrt, ja klar, deswegen der Rummel auf dem Bach) waren wir nicht die einzigen, die unterwegs waren. Viele waren zum Baden, Angeln und Picknicken an die Ufer der Donau gekommen. Bald nach Deggendorf, bei Flusskilometer 2281,7 mündete die Isar in die Donau und sorgte für einen etwas besseren Wasserstand.
Gegen 17.00 Uhr fanden wir unsere Kiesbank. Ein idyllisches Plätzchen auf einer Buhne, fast eine Insel. Das Kiesufer recht steil, mit kurzem Weg, um Zelt und Boot vor Wellen in Sicherheit zu wissen.
Lorenz war ganz in seinem Element: Frösche und Fische im Altwasser und endlich Lagerfeuer!
Nach den vergangen recht lauten Nächten war es diesmal relativ ruhig, auch wenn die Autobahn ein paar Kilometer entfernt, die einsame Stimmung etwas trübte.

Regensburg-Straubing

Von Regensburg nach Straubing erwarteten uns wieder zwei Staustufen. Eigentlich sind es drei, die erste kam jedoch bereits einen Kilometer nach dem Start. Wir hatten uns die Bootsgasse ja schon angeschaut und beschlossen, sie trotz des niedrigen Wasserstandes zu nutzten. Zwar leuchtete das Signal, dass die Bootsgasse wegen Niedrigwasser ausser Betrieb sei, sie funktionierte jedoch einwandfrei. Vorbei am Dom, unter der Steinernen Brücke durch und Regensburg lag hinter uns.
Bald tauchte nach einer Kurve ein Antiker Tempel auf. Die Walhalla, eine Ruhmeshalle, einem griechischen Tempel nachempfunden, erbaut von Ludwig I. von Bayern. Zur Zeit wird sie restauriert.
Die Staustufe in Geißling erforderte eine richtige Portage: Weder Bootsgasse, noch Sportbootschleuse mit Selbstbedienung. Wir mussten raus aus dem Wasser und das Boot samt Inhalt ca. 500 Meter weit karren. Dabei waren die Rampen an der Ein- und Ausstiegstelle leider nicht so angelegt, dass wir das beladene Boot auf den Wagen hätten laden können. Also alles Gepäck wieder raus, Boot auf Bootswagen, Gepäck wieder rein, umsetzten, Gepäck wieder raus, Boot ins Wasser, Gepäck wieder rein. Eine echte Plackerei.
Der Nachmittag wurde sehr lang und sehr heiß. Auf den 56 Kilometern dieser Etappe hatten wir noch zwei Stauseen zu durchfahren. Wir waren rund 10 Stunden unterwegs. Die Sonne stand schon sehr tief und wir hatten unser Ziel noch nicht erreicht. Die Belohnung zum Schluss, die Bootsgasse von Straubing, konnten wir gut gebrauchen. Gleich rechts danach in die „Stadtschleife“ von Straubing. Mit dieser Staustufe wurde die Donau wieder etwas abgekürzt, der Altarm zum Glück jedoch nicht komplett abgeschnitten. Bootswanderer dürfen hier noch fahren. Die Ausstiegstelle beim Kanu-Club forderte uns dann noch ein letztes Mal für diesen Tag. Die steile Treppe über den Hochwasserdamm zwang uns, sowohl das Boot als auch das Gepäck zum Zeltplatz zu schleppen.

Die Nacht war laut, ein Volksfest mit allen üblichen Randerscheinungen, wie lauter Musik, Gegröhle und späten Heimkehrern konnte uns jedoch nicht vom Schlafen abhalten.

Ruhetag in Regensburg

Für unseren Ruhetag kauften wir uns eine Tageskarte für den Bus und machten uns auf, unsere Vorräte aufzufüllen. Beim Einsteigen in den Bus fragte Lorenz noch, wieso Tageskarte, ich will nicht den ganzen Tag Bus fahren…
Vor allem frisches Gemüse und Salat wollten wir besorgen. Ausserdem wollten wir uns auf die Suche nach einem Ausrüsterladen machen, um die verloren gegangene Isomatte zu ersetzten. In einem riesigen Einkaufszentrum fanden wir einen Laden mit der Tatze, der aber keine Isomatten sondern nur Klamotten mit der Tatze anbot. Wir wurden an ein zweites Geschäft in der Innenstadt verwiesen. Dort sagte man uns, wir sollen im neu eröffneten Laden im Einkaufszentrum (aus dem wir gerade kamen) fragen, die hätten das bestimmt. Naja, so kann man seinen wohlverdienten Ruhetag natürlich auch verbringen. Wir beschlossen, unsere Fahrt könne auch ohne eine zweite Isomatte weitergehen und gaben auf.
Postkarten hatten wir schon am Vorabend gekauft und geschrieben, die brachten wir zur Post. Dort kamen wir auf die Idee, überflüssige Sachen, wie Lorenz drittes und viertes Paar Schuhe sowie sonstigen unnützen Kram4, der sich ins Gepäck geschlichen hatte, nach Hause zu schicken. Also besorgten wir uns einen Karton, fuhren mit unserer Tageskarte wieder zum Zeltplatz, packten das Paket. Lorenz hatte beschlossen, Bierdeckel zu sammeln sei ein guter Zeitvertreib für diese Reise. Bereits an diesem Tag konnte er den ersten Stapel im Paket nach Hause schicken!
Wir fuhren ein zweites Mal zur Post. Auf dem Rückweg hatten wir keine rechte Lust, die richtige Haltestelle für den Bus zu suchen und so passierte es, dass wir bald im nächstbesten Bus saßen. Dieser hatte zwar die richtige Nummer, fuhr jedoch in die falsche Richtung. Kurz und gut, wir machten eine Stadtrundfahrt. Als wir endlich wieder am Zeltplatz waren, sagte Lorenz: „Hatte ich nicht heute Morgen gesagt, ich will nicht den ganzen Tag Bus fahren?“

Herrensaal-Regensburg

Tag 3, nur 26 Kilometer. Wir kamen morgens flott weg, hatten wieder mit Gegenwind und Stauseen zu kämpfen, kamen aber gut in Regensburg an. Etwas ärgerlich war, dass an der ersten Staustufe in Abbach, zwar eine Bootsgasse vorhanden war, diese aber wegen Niedrigwasser nicht benutzt werden konnte. Also hieß es wieder, das ganze Boot ausladen, umkarren, einladen und weiter. Bei der häufigen Umtragerei machte es sich bezahlt, dass wir nur vier große Gepäckstücke hatten. Einen großen Packsack mit Schlafsäcken, Isomatten und Zelt, einen Kleidersack, einen mit diversen Ausrüstungsgegenständen und den schwersten, den Küchensack. Mittagsrast machten wir in der Nähe einer Seilfähre an einem kleinen Sandstrand.
Leider ließen wir bei unserem Aufbruch dort eine unsere Isomatten liegen. Zum Glück hatten wir diese nicht ausschliesslich zum Schlafen mit genommen, sondern nutzten dafür unsere Luftmatratzen. Die Isomatten dienten uns als zusätzliche Unterlage bei sehr unebenem Boden, als Picknickdeckenersatz und auch um im Boot zu knieen. Glücklicherweise hatten wir auch Kniematten aus Neopren mitgenommen. Diese sind rutschhemmend und angenehm bei Hitze. Also war das ganze kein all zu großer Verlust, aber trotzdem ärgerlich.
Wir checkten am frühen Nachmittag im Campingplatz in Regensburg ein. Nachdem wir uns eingerichtet hatten, wuschen wir Wäsche und machten uns dann auf Besichtigungstour in die Stadt. Auf unserem Weg schauten wir uns die Bootsgasse der Staustufe Regensburg an. Wir erkundeten die Stadt, da es Sonntag war, konnten wir nicht einkaufen, aber das hatten wir uns ja für den nächsten Tag, unseren ersten Ruhetag vorgenommen. Zur Feier des Tages gingen wir Pommes essen.Entspannung

 

Ingolstadt-Herrensaal

Am Morgen waren die Strapazen des Vortags vergessen und wir schafften es, die Zeit vom Aufstehen bis zum Start auf dem Wasser auf zwei Stunden zu begrenzen. Eine satte Leistung, fanden wir. Nach 11 Kilometern kamen wir zum Kraftwerk Vohburg, wieder mit Selbstbedienungsschleuse. Meist steht bei diesen Schleusen das untere Tor offen. Also muss dies immer erst geschlossen und die Schleusenkammer gefüllt werden. Das funktioniert auf Knopfdruck. Wenn die Schleuse gefüllt ist, öffnet sich das obere Tor und man kann in die Schleuse einfahren. Lorenz machte immer das Tor hinter mir zu und ließ das Wasser ab. Er musste dann nur noch warten bis ich ganz unten war, sich das untere Tor wieder öffnen ließ und er unterhalb der Schleuse wieder ins Boot springen konnte. Wenn man zu zweit unterwegs ist, geht das ganz gut, aber allein? Klar es gibt diese lange glitschige Leiter, über die man in die Schleuse hinunter klettern kann … vielen Dank. Als ich diese Strecke vor 23 Jahren schon ein mal befahren habe, hatte ich in Ulm Kanuten getroffen und wir sind die Strecke bis Ingolstadt gemeinsam gefahren, so dass mir das auch damals erspart blieb.

DonaudurchbruchHeute stand ein Highlight auf dem Programm, der Donaudurchbruch von Weltenburg. Die Donau wird von den Felsen auf eine enge Durchfahrt zusammen gedrängt. Mitten in der Schlucht liegt ein herrlicher Kiesstrand mit dem Kloster Weltenburg, eine Touristenattraktion. Ab hier wird die Donau auch von Schiffen befahren. In relativ hoher Frequenz werden Leute von Kehlheim aus mit Passagierschiffen zur Besichtigung heran gefahren. Wenn sich Berg- und Talfahrer begegnen, können sich ganz erhebliche Wellen bilden. Wir blieben jedoch trocken und hatten unseren Spaß.
Bald nach dem Donaudurchbruch erreichten wir Kehlheim, der erste größere Hafen der Donau. Von nun an begegneten wir mehrmals am Tag Fracht- oder Personenschiffen. Wir befürchteten, dass uns diese lästig werden könnten, doch waren es letzlich die Motorboote mit ihren kurzen Wellen, die oft rücksichtslos nahe und auch noch heftig winkend an uns vorbei kurvten. Wir ignorierten sie so gut es ging.
Diese Tagesetappe betrug 47 km, eine ordentliche Steigerung zum Vortag. Unser Ziel Herrensaal erreichten wir am späten Nachmittag. Zeltmöglichkeiten direkt am Wasser waren auf diesem Teilstück nicht gerade üppig vorhanden, daher hatten wir uns einen Campingplatz auf einem Bauernhof ausgeguckt. Das wiederum bedeutete allerdings, dass wir unser Boot samt Gepäck durch das halbe Dorf karren mussten.
Abends spielte ein Alleinunterhalter auf, im Hof des Zeltplatzes wurde ein Grillfest veranstaltet. Wir hatten noch genug vom Rummel des Vorabends und verkrochen uns bald ins Zelt.

Neuburg-Ingolstadt

Geweckt wurden wir von Sonnenschein, das Zelt war kaum feucht, es schien ein warmer Tag zu werden. Unsere erste Etappe sollte uns nach Ingolstadt bringen. 22 km, zwei Staustufen mit Schleusen zum selbst bedienen. Nicht zu viel für den ersten Tag.

Der Morgen hatte nicht zu viel versprochen, es wurde ein sehr warmer Tag. Wir ahnten an diesem Tag noch nicht, was die nächsten beiden Wochen an Herausforderungen wartete. Die ersten paar Kilometer strömte die Donau noch ganz munter, bald machte sich jedoch die erste Staustufe bemerkbar. Wir fuhren auf einem großen Stausee. Leichter Gegenwind kühlte uns zwar etwas ab, machte aber das Vorankommen nicht gerade einfacher. Bei Donaukilometer 2469,9 erreichten wir die Staustufe von Bergheim. Nach der ersten Schleuse, die Lorenz vorbildlich bediente, wiederholte sich das Spiel bis zur zweiten Schleuse kurz vor Ingolstadt.
Es schienen wenig Flussreisende unterwegs zu sein, denn an jeder Umsetzanlage fanden sich in kurzer Zeit Schaulustige ein. Den Rest der Strecke bis zum Faltbootclub Ingolstadt, wo unser Nachtquartier sein sollte, schob uns die Donau sachte voran. An der Rampe am Ausstieg musste erst mal alles Gepäck aus dem Boot, das leere Boot auf den Bootswagen, das Gepäck wieder rein und ab durch den Auwald, ca. 200 m bis zum Ingolstädter Vereinsgelände.

Das Abendprogramm sah zunächst nichts Besonderes vor: Lager aufbauen, Kochen, Essen, Lesen … aber es kam anders. An diesem Abend wurde das Ingolstädter Donaufest eröffnet, Böllerschützen, Fischerstechen, Bratwürste, Zuckerwatte. Also kurz geduscht und schon waren wir zu Fuss auf dem Weg in die Innenstadt und zur Donaulände.
Wer die Lage des Zeltplatzes kennt, weiß dass es etwa vier Kilometer bis in die Innenstadt sind. Inklusive kleinem Stadtrundgang und Rückweg macht das … Ja, es wurde spät an diesem Abend. Gekocht hatten wir auch noch nichts. Müde wie wir waren, liessen wir auch noch die Spaghetti anbrennen.

Donaufahrt von Neuburg nach Tulln

Am Anfang jeder Tour steht ein Plan…

… unserer sah vor im August 2012 die Donau zu befahren:  515 km von Neuburg, oberhalb Ingolstadt, bis Tulln bei Wien. Geplant hatten wir, Lorenz (12) und Matthias (45), 11 Paddeltage unterbrochen von drei Ruhetagen. Unser Boot „September“, ein Holz-Canvas-Kanadier, 18 Fuss, sprich 5,5 m lang, sollte alles Gepäck gut aufnehmen können und auf den Strecken mit wenig Strömung ein gutes Vorankommen ermöglichen.

So ließen wir uns am 9. August 2012 von Anke und Jolanda, mit dem Versprechen uns gut zwei Wochen später in Österreich wieder aufzulesen, in Neuburg an der Donau absetzen.

Nachdem wir unser Zelt aufgestellt und unser Gepäck etwas sortiert hatten, gingen wir erst ein mal in die Stadt, um all das einzukaufen, was wir in der Hektik des Aufbruchs vergessen hatten. Wieder zurück, drehten wir mit leerem Boot eine Runde um die Donauinsel bei Neuburg. So leicht würde es die nächsten Tage nicht zu bewegen sein.

Wir vertrieben uns die Zeit am Ufer der Donau. In der Zwischenzeit waren neben etlichen Radfahrergruppen auch noch zwei weitere Flussreisende mit dem Faltboot angekommen. Sie waren seit ein paar Tagen unterwegs. Deren heutige Etappe, mit zwei langen Strecken ohne nennenswerte Strömung, hatte ihnen einiges abverlangt. Sie beschlossen die Fahrt in Neubug zu beenden.

Nach Kochen und Abendessen gab es noch eine gegenseitige Vorleserunde aus Harry Potter Band 1, den wir als einziges Buch auf unsere Reise mitgenommen hatten.Neuburg

Eisbrecher

EisbrecherWood and Canvas Kanadier eignen sich auch als Eisbrecher.
Der anhaltende Frost der letzten Wochen hat den Bodensee an seinen Rändern zufrieren lassen.
Der Wind hat beeindruckende Skulpturen entstehen lassen.
Wir lassen uns nicht schrecken und testen die Eisgängigkeit unseres „Septembers“
Er hat es ohne Blessuren überstanden.

Reparaturarbeiten

Mittlerweile haben beide Boote etwas gelitten und es wird Zeit die Schäden nicht nur zu überspachteln oder mit Klebeband abzutapen. Fürs erste habe ich mir den Gerrish (Juni) vorgenommen. Seit einer Kollision mit einem Stein auf der oberen Thur ist er leicht leck. Es tut schon etwas weh, dort wo der Riss ist wird das Skalpell angesetzt. Zwei Schnitte über kreuz, aufklappen und den Flicken darunter schieben.Danach das Canvas mit wasserfestem Leim auf den Flicken kleben. Es ist erstaunlich aber es geht schnell und es hält.

Neues Paddel

Zu Weihnachten hat es ein neues Paddel gegeben. Es ist zum solo fahren gedacht und kürzer als meine sonstigen Paddel. Ein feines Stück aus meiner Lieblingsboots- und Paddelschmiede in Potsdam. 🙂