Ingolstadt-Herrensaal

Am Morgen waren die Strapazen des Vortags vergessen und wir schafften es, die Zeit vom Aufstehen bis zum Start auf dem Wasser auf zwei Stunden zu begrenzen. Eine satte Leistung, fanden wir. Nach 11 Kilometern kamen wir zum Kraftwerk Vohburg, wieder mit Selbstbedienungsschleuse. Meist steht bei diesen Schleusen das untere Tor offen. Also muss dies immer erst geschlossen und die Schleusenkammer gefüllt werden. Das funktioniert auf Knopfdruck. Wenn die Schleuse gefüllt ist, öffnet sich das obere Tor und man kann in die Schleuse einfahren. Lorenz machte immer das Tor hinter mir zu und ließ das Wasser ab. Er musste dann nur noch warten bis ich ganz unten war, sich das untere Tor wieder öffnen ließ und er unterhalb der Schleuse wieder ins Boot springen konnte. Wenn man zu zweit unterwegs ist, geht das ganz gut, aber allein? Klar es gibt diese lange glitschige Leiter, über die man in die Schleuse hinunter klettern kann … vielen Dank. Als ich diese Strecke vor 23 Jahren schon ein mal befahren habe, hatte ich in Ulm Kanuten getroffen und wir sind die Strecke bis Ingolstadt gemeinsam gefahren, so dass mir das auch damals erspart blieb.

DonaudurchbruchHeute stand ein Highlight auf dem Programm, der Donaudurchbruch von Weltenburg. Die Donau wird von den Felsen auf eine enge Durchfahrt zusammen gedrängt. Mitten in der Schlucht liegt ein herrlicher Kiesstrand mit dem Kloster Weltenburg, eine Touristenattraktion. Ab hier wird die Donau auch von Schiffen befahren. In relativ hoher Frequenz werden Leute von Kehlheim aus mit Passagierschiffen zur Besichtigung heran gefahren. Wenn sich Berg- und Talfahrer begegnen, können sich ganz erhebliche Wellen bilden. Wir blieben jedoch trocken und hatten unseren Spaß.
Bald nach dem Donaudurchbruch erreichten wir Kehlheim, der erste größere Hafen der Donau. Von nun an begegneten wir mehrmals am Tag Fracht- oder Personenschiffen. Wir befürchteten, dass uns diese lästig werden könnten, doch waren es letzlich die Motorboote mit ihren kurzen Wellen, die oft rücksichtslos nahe und auch noch heftig winkend an uns vorbei kurvten. Wir ignorierten sie so gut es ging.
Diese Tagesetappe betrug 47 km, eine ordentliche Steigerung zum Vortag. Unser Ziel Herrensaal erreichten wir am späten Nachmittag. Zeltmöglichkeiten direkt am Wasser waren auf diesem Teilstück nicht gerade üppig vorhanden, daher hatten wir uns einen Campingplatz auf einem Bauernhof ausgeguckt. Das wiederum bedeutete allerdings, dass wir unser Boot samt Gepäck durch das halbe Dorf karren mussten.
Abends spielte ein Alleinunterhalter auf, im Hof des Zeltplatzes wurde ein Grillfest veranstaltet. Wir hatten noch genug vom Rummel des Vorabends und verkrochen uns bald ins Zelt.

Neuburg-Ingolstadt

Geweckt wurden wir von Sonnenschein, das Zelt war kaum feucht, es schien ein warmer Tag zu werden. Unsere erste Etappe sollte uns nach Ingolstadt bringen. 22 km, zwei Staustufen mit Schleusen zum selbst bedienen. Nicht zu viel für den ersten Tag.

Der Morgen hatte nicht zu viel versprochen, es wurde ein sehr warmer Tag. Wir ahnten an diesem Tag noch nicht, was die nächsten beiden Wochen an Herausforderungen wartete. Die ersten paar Kilometer strömte die Donau noch ganz munter, bald machte sich jedoch die erste Staustufe bemerkbar. Wir fuhren auf einem großen Stausee. Leichter Gegenwind kühlte uns zwar etwas ab, machte aber das Vorankommen nicht gerade einfacher. Bei Donaukilometer 2469,9 erreichten wir die Staustufe von Bergheim. Nach der ersten Schleuse, die Lorenz vorbildlich bediente, wiederholte sich das Spiel bis zur zweiten Schleuse kurz vor Ingolstadt.
Es schienen wenig Flussreisende unterwegs zu sein, denn an jeder Umsetzanlage fanden sich in kurzer Zeit Schaulustige ein. Den Rest der Strecke bis zum Faltbootclub Ingolstadt, wo unser Nachtquartier sein sollte, schob uns die Donau sachte voran. An der Rampe am Ausstieg musste erst mal alles Gepäck aus dem Boot, das leere Boot auf den Bootswagen, das Gepäck wieder rein und ab durch den Auwald, ca. 200 m bis zum Ingolstädter Vereinsgelände.

Das Abendprogramm sah zunächst nichts Besonderes vor: Lager aufbauen, Kochen, Essen, Lesen … aber es kam anders. An diesem Abend wurde das Ingolstädter Donaufest eröffnet, Böllerschützen, Fischerstechen, Bratwürste, Zuckerwatte. Also kurz geduscht und schon waren wir zu Fuss auf dem Weg in die Innenstadt und zur Donaulände.
Wer die Lage des Zeltplatzes kennt, weiß dass es etwa vier Kilometer bis in die Innenstadt sind. Inklusive kleinem Stadtrundgang und Rückweg macht das … Ja, es wurde spät an diesem Abend. Gekocht hatten wir auch noch nichts. Müde wie wir waren, liessen wir auch noch die Spaghetti anbrennen.

Donaufahrt von Neuburg nach Tulln

Am Anfang jeder Tour steht ein Plan…

… unserer sah vor im August 2012 die Donau zu befahren:  515 km von Neuburg, oberhalb Ingolstadt, bis Tulln bei Wien. Geplant hatten wir, Lorenz (12) und Matthias (45), 11 Paddeltage unterbrochen von drei Ruhetagen. Unser Boot „September“, ein Holz-Canvas-Kanadier, 18 Fuss, sprich 5,5 m lang, sollte alles Gepäck gut aufnehmen können und auf den Strecken mit wenig Strömung ein gutes Vorankommen ermöglichen.

So ließen wir uns am 9. August 2012 von Anke und Jolanda, mit dem Versprechen uns gut zwei Wochen später in Österreich wieder aufzulesen, in Neuburg an der Donau absetzen.

Nachdem wir unser Zelt aufgestellt und unser Gepäck etwas sortiert hatten, gingen wir erst ein mal in die Stadt, um all das einzukaufen, was wir in der Hektik des Aufbruchs vergessen hatten. Wieder zurück, drehten wir mit leerem Boot eine Runde um die Donauinsel bei Neuburg. So leicht würde es die nächsten Tage nicht zu bewegen sein.

Wir vertrieben uns die Zeit am Ufer der Donau. In der Zwischenzeit waren neben etlichen Radfahrergruppen auch noch zwei weitere Flussreisende mit dem Faltboot angekommen. Sie waren seit ein paar Tagen unterwegs. Deren heutige Etappe, mit zwei langen Strecken ohne nennenswerte Strömung, hatte ihnen einiges abverlangt. Sie beschlossen die Fahrt in Neubug zu beenden.

Nach Kochen und Abendessen gab es noch eine gegenseitige Vorleserunde aus Harry Potter Band 1, den wir als einziges Buch auf unsere Reise mitgenommen hatten.Neuburg

Eskimoreuss

Immer die erste Veranstaltung des Jahres.
Die Eskimoreussfahrt des Kanu-Club Tegelbachs.
Und immer wieder nutzten die Teilnehmer die Schlüsselstelle gleich nach dem Einstieg beim Honnegwehr für eine kurze Schwimmeinlage. Wir, Leonhard, Lorenz und ich … nicht.
Diesmal auf jeden Fall. Man kann es ja nicht wissen.

Winterrhein

Da wir am 11.1. keine Zeit für die Eskimofahrt auf der Reuss hatten, machten wir uns am 4.1. auf den Weg von Mammern nach Schaffhausen. Wir fuhren mit Leonhards Prospector, seinem Wood-and-Canvas Canoe. Wir waren gut mit warmer Kleidung und heißem Tee ausgestattet, trotzdem war es bitterkalt. Es lag ein Hauch Schnee in den Ecken und die Stimmung war ausgezeichnet.

Ticino inferiore

Am nächsten Morgen ist es kalt, alles ist gefroren, das Zelt, das Wasser in den Kochtöpfen. Doch langsam, ganz sachte steigt die Sonne aus dem Nebel empor. Die letzten Kilometer bis zur Mündung genießen wir den herrlichen Sonnenschein. Wir beschliessen wieder zu kommen um nachzusehen wo wir gepaddelt sind.      

 

Ticino inferiore

Am nächsten Morgen, raus aus dem Schlafsack, rein in die eingefrorenen Stiefel und erst mal Feuer machen. Treibholz liegt ja genug rum. Gegen acht ist es zwar hell, aber dafür ist der Nebel noch dichter als gestern. Zwei einhalb Stunden später sind wir wieder auf dem Wasser.
Heute gilt es zahlreichen Baumleichen im Fluss auszuweichen. Währen der Mittagspause auf einer Flussinsel scheint die Sonne, doch kaum sind wir wieder unterwegs ist sie im Nebel verschwunden. Es dämmert schon als wir nach Pavia einen geeigneten Übernachtungsplatz finden. Im Dunkeln Holzsuchen, Zelt aufstellen, Kochen … an diesem Abend haben wir ein großes Feuer und halten es ein Wenig länger aus.

Ticino Inferiore

Das Thermometer am Auto zeigt 2,5° unter Null – geht ja noch. Draussen wird es langsam hell. Arturo, Paul, Peter und Alex sind auch schon auf den Beinen. Gestern Abend war es spät geworden, erst die Anreise durch den Gotthard bzw. den San Bernadino und dann noch die Autos verstellen, zum Ziel unserer Reise, der Mündung des Ticinos in den Po.
Um 10.20 ist alles verpackt und eingeladen. Wir setzten die Boote bei Turbigo ein. Die Sonne scheint, flott ist er der Ticino. Gleich kurz nach dem Start ein Highlight, ein Biber quert den Fluss, keine 50 m vor uns. Klick, Klick, Klick schon ist er verschwunden. Langsam verschwindet auch die Landschaft um uns herum. Nebel hüllt uns ein, das andere Ufer ist oft kaum noch zu erkennen. Wir bleiben dicht beieinander. Es hat schon fast etwas gespenstisches auf einem Fluss zu fahren, den man nicht kennt und kaum drei Bootslängen weit sehen zu kann. Wir fahren mit allen Sinnen, wir folgen dem Stromzug, wir beobachten die Wassertiefe, die

zunehmende Geschwindigkeit, wir achten auf jedes Geräusch. Jedes Rauschen vor uns macht uns ein Bisschen nervös. Zwei gefährliche Stellen soll es geben, eine ist bald erreicht. Der Ganze Bach verschwindet in Betonröhren mit etwa einem Meter Durchmesser, diese sind ca. 15 m lang, und über den ganzen Fluss verteilt. Es ist eine Behelfsbrücke für eine Baustelle. Nach einer kurzen Besichtigung, Erleichterung, wir müssen nicht umtragen. Die sechste Röhre von links macht uns den besten Eindruck, sauber anfahren, Paddel und Ohren anlegen und – durch. Am Ende der Röhre eine kleine Stufe, aber kein Wasser im Boot. Das wichtigste bei diesen Temperaturen, nicht nass werden. Die Zweite Gefahrenstelle ein Wehr unter einer Brücke, Peter und Alex wollen es fahren. Alex im Faltkanadier mit Spritzdecke und Peter im Zweiercanadier ohne Arturo vorne drin. Paul und ich treideln unsere Holzkanadier. Bald danach schlagen wir unser Biwak auf einer Kiesbank auf. Zeltaufstellen, Feuerholz sammeln, kochen, essen, noch ein paar Minuten am Feuersitzen, dann ist der Tag zu Ende und jeder verkriecht sich im Schlafsack.

Allerheiligen auf dem Hochrhein

Die Nacht war nicht so kalt wie die letzte, dafür ist es etwas feucht am Morgen. Der Nebel hängt noch über dem Rhein als wir aufs Wasser kommen. Wir haben den Fluss ganz für uns alleine und lassen uns treiben. Moment, ganz alleine sind wir nicht. Zwei Eisvögel am Ufer. Wir lassen uns weiter treiben, sie nehmen kaum Notiz von uns und lassen sich fotografieren.
Das Wehr in Reckingen ist bald überwunden, diesmal mit dem eigenen Bootswagen.

Nach Kaddelburg erreichen wir den Koblenzer Laufen, eine Schwallstrecke über den ganzen Fluss, ca 500 m lang. Wir fahren ganz rechts an den Felsen entlang. Bei diesem Wasserstand müssen wir fast laufen. Viel zu schnell erreichen wir danach Waldshut unser Ziel für diese Indian Summer Tour.

Der nächste Morgen war kalt, das Laub auf der Wiese war gefroren.
Langsam kam die Sonne durch den Nebel, schnell ein paar Fotos und dann nichts wie los. Der Tag würde lang werden. Eine Stunde bis Schaffhausen paddeln, dann raus aus dem Wasser und Boot samt Gepäck auf den Bootswagen. Dann eine Stunde laufen. Vorbei am immer stärker strömenden Rhein immer in Richtung Reinfall.

Hier dürfen wir nicht paddeln. Unterhalb des Rheinfalls die Einsatzstelle der Personenschiffahrt ist auch uns ganz nützlich. Wieder ca. nach einer Stunde ist das Stauwehr von Rheinau erreicht, wir haben Glück und werden gleich mit dem großen Bootswagen umgesetzt. Jedoch müssen wir uns sputen, denn um 13. Uhr ist Mittag und bis zum 1. Hilfswehr sind es noch knapp 15 Minuten. Zuspät, entweder Umtragen oder auch Mittagspause. Um 14.00 Uhr geht es dann weiter und auch beim 2. Hilfswehr geht es ganz flott. Vorbei an der Mündung der Thur und schon lässt die Strömung merklich nach. Das Kraftwerk von Eglisau macht sich bereits bemerkbar. Heute kommen wir vermutlich im Dunkeln in Hohentengen auf dem Campingplatz an. Ganz dunkel ist es noch nicht, aber es dämmert schon kräftig, als wir nach 46 km zu Boot und Fuss auf unserer Zeltwiese ankommen.

Hochrhein Indian Summer Tour

Im Spätherbst auf den Hochrhein, das hatte ich schon lange auf dem Plan. Über Allerheiligen sollte das Wetter schön werden. So machten Leonhard und ich uns auf, vom Bootshaus am Kanu-Club Konstanz in Richtung Schaffhausen.Der Wetterbericht hatte nicht zu viel versprochen.

Herrliches Spätsommerwetter, leichter Rückenwind. Die Färbung des Laubes war atemberaubend. Da der Campingplatz in Schaffhausen schon Ende August dicht macht, mussten wir wohl oder übel biwakieren.

Allier

An Pfingsten bot sich die Gelegenheit eine Fahrt auf dem Allier in Frankreich zu unternehmen.
So eine richtige Gepäckfahrt, Zelt, Schlafsäcke etc. und natürlich Verpflegung für eine Woche. Denn die Einkaufsmöglichkeiten auf der Strecke von Moulins nach La Charité an der Loire sind nicht gerade üppig. Ins gesamt waren wir zu siebt, Bärbel und Martin, Peter und Katja sowie Jolanda, Lorenz und ich in unserem September. In das Boot geht ja ordentlich was rein, und wenn man das auch ordentlich einpackt, dann sieht das auch ordentlich aus…IMG_0295Na, ja, so ganz ordentlich sieht das jetzt nicht aus, kreatives Chaos eben. Wir hatten das meiste Gepäck vor die mittlere Ducht geladen, auf dem vorderen Sitz nahm Jolanda Platz, auf dem IMG_0285hinteren Lorenz, ich saß auf einem selbst gebastelten Einhänge-Sitz kurz hinter der Mitte. Das Boot war so ganz gut getrimmt, ich konnte das Boot gut kontrollieren und die Kinder nicht streiten. Manchmal saßen sie auch zu zweit vorne, aber eher selten. Unsere Tagesetappen waren nie besonders lang, es wurde mehr auf ein ausgedehntes Lagerleben, auf den einsamen Sandbänken und Inseln Wert gelegt. Die Strecke von rund 90 Kilometern legten wir in fünf Tagen zurück. Das Wetter war eher durchwachsen, teilweise sogar empfindlich kalt. Über Europa drehte ein Tiefdruckkreisel, der zu Hause sogar noch einmal Schnee lieferte. Das blieb uns erspart. Aber an Baden war nicht zu denken. Es wurde am Lagerfeuer im Dutchoven gekocht, Skat gespielt und alberne Lieder und Gedichte retiziert. Mit einem sieben und einem fünfjährigen Kind unterwegs zusein ist auf der einen Seite ganz lustig, auf der anderen Seite aber auch anstrengend, wobei IMG_0301ich die beiden wirklich loben muss sie haben wirklich viel geholfen, nicht nur beim Paddeln gegen den Wind, sondern auch beim Aufbau des Lagers und beim Feuer machen. Das Lagerfeuer war fest im Aufgaben Bereich der Kinder, Peter, Katja und meine zwei besorgten das jeden Abend vorbildlich.

 

Thurbummel

Immer am ersten Sonntag im Mai findet der legendäre Thurbummel der Thurgauer Wilwasserfahrer statt. Die Strecke von Uesslingen bis Alten ist abwechslungsreich und spritzig, gerade recht für Leonhards neuen Wood-Canvas Prospector (Big Bend)